Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

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D. Die Wirtschaftsstatistik. 
204. Wenden wir uns nun der Wirtschaftsstatistik zu, 
so begegnen uns hier große Schwierigkeiten. Zum ersten ist dieser 
Zweig der Statistik, trotz der ungeheuren Fortschritte der letzten 
Dezennien, im Vergleich mit der Bevölkerungsstatistik nur wenig 
entwickelt, und zweitens ist sie an und für sich weit verwickelterer 
Natur. Zu guter Letzt ist jedoch die Aufgabe dieselbe, nämlich wie 
oben die mannigfaltigen wirkenden Ursachen in zwei Hauptgruppen 
zu sammeln, teils solche Ursachen, welche einen kenntlichen Einfluß 
auf die sozialökonomischen Phänomene ausüben und daher so weit 
wie möglich jede für sich isoliert behandelt werden müssen, teils 
solche, die man als zufällig auffassen kann und deren Wirkung sich 
innerhalb gewisser verhältnismäßig enger Grenzen halten; diese 
Grenzen müssen dann, wie bei den Glückspielerfahrungen und den 
Erfahrungen in der Bevölkerungsstatistik studiert werden. 
In mancher Beziehung hat jedoch diese Aufgabe relativ bessere 
Aussichten auf eine fruchtbringende Lösung als bisher. Die Regel- 
mäßigkeit in den ökonomischen Phänomenen ist in unseren Tagen 
weit größer als einst, so z. B. hinsichtlich der Ernte, die sich 
jetzt oft nur auffallend wenig von Jahr zu Jahr verändert. Und 
z. T. wird das Studium der wirkenden Ursachen dadurch erleichtert, 
daß jetzt mehr als je die Welt ein Ganzes ist und viele Be- 
wegungen daher parallel sind. Lazard!) z. B. hat bei einer Ver- 
gleichung von deutscher und französischer Arbeitslosenstati- 
stik eine recht gute Übereinstimmung zwischen dem Risiko der 
Arbeitslosigkeit in den einzelnen Gewerbezweigen dieser beiden 
Länder festgestellt, so daß es im Bereich der Möglichkeiten zu 
liegen scheint, auf diesem Gebiete der Statistik ähnliche Gesetze 
wie in der Bevölkerungsstatistik anzuwenden. 
Betrachtet man, um ein verhältnismäßig einfaches Beispiel zu 
nehmen, die Verteilung der Einkommen oder Ergebnisse ent- 
sprechender Erhebungen (z. B. die Verteilung der Vermögen, der 
Erbfälle nach Größe), so wird sich in der Regel ergeben, daß diese 
Verteilungen sehr unsymmetrisch sind; die niedrigeren Einkommens- 
klassen sind meistens weit zahlreicher vertreten als die höheren. 
Als Beispiel möge die Einkommenverteilung der Versorger ?) in Däne- 
!) Le chömage et la profession, Paris 1909. . 
2) Vgl. Statistisk Tabelverk Litra A Nr. 16, Folketellingen den 1. Februar 
1921. Kobenhayn 1925.
	        
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