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In den Naturwissenschaften und deren Anwendungen begegnet
man häufig Problemen, welche mit obigen Beispielen dies gemein
haben, daß sich die Theorie auf einfache Art und Weise ausdrücken
läßt. Es gibt z. B. das einfache Gesetz, daß der Gefrierpunkt für
eine Salzlösung um so niedriger liegt, je mehr Salz die Lösung ent-
hält, und daß die Senkung des Gefrierpunktes sich proportional zur
Menge des in einem Liter Wasser aufgelösten Salzes verhält. Löst
man nun allmählich x, X, X... g Salz in einem Liter Wasser
auf und mißt man, wie groß die entsprechenden Gefrierpunkts-
senkungen yYı, Yıs Ya --... werden, und setzt man in ein Koordinaten-
system x als Abszisse und y als Ordinate ein, so müßte man eine Reihe
von Punkten finden, welche auf einer Geraden durch die Anfangspunkte
jägen und von der Gleichung y==kx wären. Da indes sowohl beim
Zuwiegen der Salzmengen wie beim Ablesen der Gefriertemperatur
Fehler begangen werden können, wird man finden, daß die ab-
gesetzten Punkte nicht auf einer Geraden liegen, wozu sie da-
gegen mittels der Ausgleichung gebracht werden können, welche die
beobachteten Gefrierpunkte korrigiert und durch die dann die
Konstante k bestimmt wird. Ein Beispiel, in dem sich die Ab-
hängigkeit nicht durch eine gerade Linie, sondern durch eine krumme
Kurve ausdrücken läßt, hat man in der Untersuchung darüber, wie
weit ein Körper beim freien Fall in einer gegebenen Zeit gelangt.
Werden hier die Fallzeiten (t) als Abszisse und die entsprechenden
Fallhöhen (y) als Ordinate angesetzt, so müssen, falls das Gesetz
der Schwere richtig ist, die abgetragenen Punkte alle auf einer
Kurve (Parabel) von der Gleichung
y—cC-
liegen.
Da auch hier die Messungen mit Fehlern behaftet sein werden,
wird sich als allgemeine Regel ergeben, daß eine Kurve von der
angeführten Gleichung, auf der sämtliche Punkte auf einmal gelegen
sind, nicht existiert; eine zweckmäßige Ausgleichung dagegen kann
3>ine solche Lage der Punkte erzielen, indem man die beobachteten
Fallhöhen korrigiert und so die Akzeleration der Schwere, welche
das Doppelte der Konstante c beträgt, bestimmt.
219. Wenn man aus dem Umstand, daß die Beobachtungen nicht
yanz mit der Anschauung (Theorie) über das betrachtete Phänomen
übereinstimmen, Veranlassung nähme, entweder die Theorie oder die
Beobachtungen vollständig als unbrauchbar und unnützlich zu ver-
werfen. dann würde man sich ganz die Möglichkeit versagen, je-