).
die hygienischen Verhältnisse, wie denn auch die Geschichte Londons
zahlreiche Pestjahre aufweist. So wütete im Jahre 1348 der schwarze
Tod, zu einer Zeit, wo die Stadt 30—40000 Menschen zählte. In
den Jahren 1563 und 1592 trat ebenfalls die Pest auf, dann ver-
schiedene Male im 17. Jahrhundert, nämlich 1603, 1625 und 1665.
Während einer solchen Epidemie starben mehrere Prozent der Be-
völkerung, so daß es nicht Wunder nimmt, daß die öffentlichen Mit-
teilungen über Begräbnisse und Kindtaufen mit größter Aufmerk-
samkeit von den Einwohnern verfolgt wurden. Bereits im 16. Jahr-
hundert hatte man wöchentliche Verzeichnisse über Geburten und
Sterbefälle, die ab und zu, namentlich zu Ende des Jahrhunderts,
veröffentlicht wurden. Nach der großen Pest im Jahre 1603 er-
schienen diese wöchentlichen Verzeichnisse regelmäßig und so, daß
am letzten Donnerstag vor Weihnachten eine Gesamtübersicht über
das ganze vorhergehende Jahr herauskam. Die Listen enthielten
Angaben über die Anzahl der Kindtaufen und Begräbnisse, außer-
dem besondere Mitteilungen über die durch die Pest verursachten
Todesfälle. Die Todesursachen wurden vom Jahre 1629 an ver-
öffentlicht. Die Veröffentlichungen beruhten auf den Angaben alter
vereidigter Frauen, die die Leichenschau vorzunehmen hatten. Selbst-
verständlich war die Nomenklatur sehr unvollständig und die Dia-
gnose vermutlich gar oft falsch. Überhaupt hafteten diesem Material
große Mängel an; nichtsdestoweniger aber glückte es Graunt, bei
der Bearbeitung solcher Beobachtungen der wissenschaftlichen For-
schung ein ganz neues Gebiet zu erschließen.
Graunt hatte keine akademische Ausbildung genossen. Sein
Vater war Tuchhändler, und er selbst lernte als Manufakturhändler
(Haberdasher). Aber in seiner freien Zeit eignete er sich verschiedene
Kenntnisse an. Unglücklicherweise kam er während dieser Studien
nicht auf die Mathematik, es wäre ihm dies eine unschätzbare Hilfe
geworden. Bei seinen Zeitgenossen genoß er großes Ansehen, nicht
zum wenigsten in der akademischen Welt; nach Erscheinen seines
Buches ward er zum Mitglied der neugestifteten wissenschaftlichen
Gesellschaft „Royal Society“ gewählt. Einer der mit ihm befreun-
deten Akademiker war William Petty (1623—1687), der Erfinder
der Benennung: Politische Arithmetik ?!). Pettys Name ist so
‘) Die von Graunt und Petty verfaßten Schriften sind am leichtesten zu-
gänglich in Ch. H. Hull, The economic writings of Sir William Petty, 1899. Dieses
Werk enthält teils die Schriften Pettys, teils die 5. Ausgabe (1676) der Graunt-
schen Observations, welche nur wenig von der l. Ausrabe abweicht.