35
(geb. 1743, guillotiniert 1794), welcher gelegentlich auf diese Pro-
bleme einging!). Unter Bezugnahme auf einen früheren Verfasser
geht Lavoisier von einer 25 Millionen zählenden Bevölkerung aus,
die er — als ein „premier apercu“ — schätzungsweise nach Erwerbs-
zweigen verteilt. Seine Hauptaufgabe ist dann die Berechnung des
Verbrauchs und der Produktion der Bevölkerung. Er ge-
winnt auf Grundlage von Hypothesen über den Durchschnittsver-
brauch einen Überblick über die Getreideproduktion. Wo es sich
um notwendige Waren wie Lebensmittel handele, sei eine solche
Schätzung seines Erachtens im großen und ganzen zuverlässig. Unter
Berücksichtigung der verschiedenen Bevölkerungsklassen veranschlagt
er den gesamten Getreidekonsum auf 14000 Millionen livres pesant.
Ein mit Ochsen bespannter Pflug werde, nach eigenen Erfahrungen
und nach Untersuchungen in verschiedenen Provinzen, ungefähr
10000 livres entsprechen und werde 60 arpents kultivieren können,
während die entsprechenden Zahlen für einen mit Pferden bespannten
Pflug 27500 livres und 90 arpents (ca. 31 ha) seien. Er berechnet
dann (indem er das Land in Gegenden mit überwiegenden Pferde-
gespannen und solche mit Ochsenvorspann teilt) die Zahl der vor-
handenen Pflüge und die Größe der Anbauflächen. Als Resultat
ergibt sich: 1%, Mill. Pferde, 7 Mill. Stück Rindvieh, und etwa ?/s
des französischen Bodens sei kultiviert. Letzteres Resultat über-
raschte ihn, er stellt daher den Lesern eine Nachprüfung anheim.
Ganz allgemein wünscht er eine unmittelbare Produktionsstatistik für
die Landwirtschaft; habe man erst diese, dann würde man die ganze
politische Ökonomie auf einer geringen Anzahl Seiten darstellen
können, oder besser, diese Wissenschaft würde dann nicht mehr
existieren, da sämtliche Probleme endlich gelöst seien. Solche Worte
klingen etwas an physiokratische Gedankengänge an.
30. Als Lavoisier seine Abhandlung schrieb, war der Wunsch
nach einer offiziellen Statistik bereits teilweise für Schweden erfüllt.
Lange schon hatte in diesem Lande die Geistlichkeit die Pflicht
gehabt, Kirchspielsregister mit vollständigen Verzeichnissen der Ge-
meindemitglieder, der Trauungen, Geburten und Todesfälle, der zu-
und abwandernden Personen zu führen. Dieses Material wurde die
Grundlage der schwedischen Bevölkerungsstatistik und ist es noch
heute. Wie in vielen anderen Ländern war die geringe Bevölke-
rungsdichte ein großes Übel für das von Mißernten und Seuchen
ı) De la richesse territoriale du Royaume de France, 1791.