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Es folgt aus dieser Methode (vgl. z. B. Figur 15), daß man
nicht wie bei den zwei weiter oben beschriebenen Methoden der
Berücksichtigung aller derjenigen Sterbefälle bedarf, welche in den
Zeiträumen (Kalenderjahren) eintreffen, von denen man im übrigen
seine Erfahrungsdaten holt. Will man beispielsweise untersuchen,
wieviele der im Jahre 1911 Geborenen 1 Jahr alt werden, so ist
von der Geburtenzahl für 1911 die Anzahl von Sterbefällen abzu-
ziehen, welche in dieser Generation vor dem ersten Geburtstage ein-
treffen; aber diese Anzahl setzt sich aus einem Teil der Sterbefälle
jes Jahres 1911 im Alter von 0—1 Jahr und einem Teil derjenigen
des Jahres 1912 in derselben Altersklasse zusammen, während die
übrigen Teile der Sterbefälle beider genannter Jahre ausscheiden.
Ganz analog geht es beispielsweise im oben behandelten Falle, wo
Dao Mittels der Erfahrungen in der Generation 1871—75 bestimmt
wurde; dies ergibt sich überaus deutlich bei der Betrachtung einer
diesbezüglichen Figur.
313. Ohne Berücksichtigung dieser Tatsache ist jedoch letztere
Methode jedenfalls bei der Bestimmung der Größe der Kinder-
sterblichkeit den beiden ersteren überlegen. Dies hängt nicht
dloß damit zusammen, daß die Angaben der Volkszählungen über
die Zahl der Kinder der jüngsten Altersstufen oft weniger zuver-
lässig sein werden, sondern auch mit dem für eine Untersuchung
der Kindersterblichkeit besonderen, doch unvermeidlichen Verhältnis,
daß ein Teil des Bestandes, aus dem die notwendigen Beobachtungen
zu beschaffen sind, erst im Laufe gerade dieser Periode, in der die
Sterblichkeitsbeobachtungen angestellt werden, in die Bevölkerung
3intreten (geboren werden). Ferner erfordern die verschiedenen
Annäherungsformeln, deren Verwendbarkeit dadurch bedingt ist, daß
lie betrachteten Altersintervalle nicht zu groß sind, besonders kleine
Altersintervalle (Monate, Quartale), wenn es sich um die jüngsten
Jahrgänge handelt; denn die Sterblichkeit auf diesen Altersstufen
(und namentlich die Säuglingssterblichkeit) ist außerordentlich viel
größer als später und variiert stärker mit dem Alter als in den
meisten anderen Altersintervallen.
Um einen ersten Überblick über die Größe der Kindersterblich-
xeit in verschiedenen Gruppen zu gewinnen, kann es, wie es oft
zeschieht, mitunter ausreichend sein, das Verhältnis zwischen der
Anzahl von Sterbefällen, die in einer gegebenen Periode unter Kin-
Jern, die jünger als ein gegebenes Alter sind, eintreffen, und der Zahl
ler in derselben Periode geborenen Kinder zu berechnen. Da indes,