fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Weltanschauung. 
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Wenn, das Tote bildend zu beseelen, 
Mit dem Stoff sich zu vermählen. 
Tatenvoll der Genius entbrennt, 
Da, da spanne sich des Fleißes Nerve 
Und beharrlich ringend unterwerfe 
Der Gedanke sich das Element .. 
Aber dringt bis in der Schönheit Sphäre: 
Und im Staube bleibt die Schwere 
Mit dem Stoff, den sie beherrscht, zurück. 
Nicht der Masse qualvoll abgerungen, 
Schlank und leicht, wie aus dem Nichts gesprungen, 
Steht das Bild vor dem entzückten Blick. 
Es ist das Ideal, mit dem der Dichter zugleich auf 
der Höhe seiner Vollendung gerungen hat wie Jakob mit 
Gott: 
Du mußt glauben, du mußt wagen, 
Denn die Götter leihn kein Pfand — 
Nur ein Wunder kann dich tragen 
In das schöne Wunderland. 
Und in der Tat: nur im feinsten Dunstkreise geläuterter 
Verzückung erscheint der Pfad jenes schmalen Ausgleiches 
zwischen den ab- und aufwogenden Leidenschaften des Stoff⸗ 
und Formtriebes gangbar: wird das höchste Glück der Frei— 
heit von Leidenschaften, wird Schönheit und Güte zugleich 
wirklich. So ist es dereinst dem antiken Helden und Halb— 
gott gelungen: 
Zwischen Sinnenglück und Seelenfrieden 
Bleibt dem Menschen nur die bange Wahl: 
Von der Stirn des hohen Uraniden 
Leuchtet ihr vermählter Strahl. 
Doch auch heute noch erheben sich schöpferisch beglückte 
Sterbliche in diesen Himmel, und eben die Griechen und ein 
rechtes Empfinden der Natur reichen dazu hilfreiche Hände: 
Unter demselben Blau, über dem nämlichen Grün 
Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter, 
Und die Sonne Homers siehe! sie lächelt auch uns.
	        
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