543
Wenn man z. B. zu erfahren wünscht, ob das von der Mutter
oder dem Vater erreichte Alter eine Bedeutung dafür hat, etwas
über die Sterblichkeit der folgenden Generation voraussagen zu
können, wird eine solche Untersuchung dadurch erschwert, . daß
eine bisher vielleicht kerngesunde, kräftige Person bereits in jungen
Jahren, lediglich auf Grund eines Unglücksfalls oder Ansteckung,
gestorben sein kann. Andererseits mag man Greisen begegnen, die
das ganze Leben hindurch Schwächlinge waren und sozusagen nur
künstlich am Leben erhalten worden sind. So entsteht also unfehl-
bar eine Mischung aus mehreren Gruppen. Die Korrelation zwischen
dem Todesalter der zwei Generationen ist vielleicht sehr kräftig,
tritt aber trotzdem nur teilweise in die Erscheinung.
Als Beispiel hierfür mag folgendes dienen!): Einem englischen
genealogischen Material wurden alle solche Familien, in der die
Mutter erst nach dem 70. Lebensjahre verstorben war, entnommen,
wonach man die Anzahl der Sterbefälle, die nach der für sämtliche
in diese Statistik einbezogenen Familien geltenden Sterbetafel für
den betrachteten Ausschnitt zu erwarten waren, berechnete. Diese
Anzahl belief sich auf 1839, während die faktische 1749 betrug. Die
Sterblichkeit scheint sich also für diese betrachteten Familien gün-
stiger gestaltet zu haben, als es im allgemeinen der Fall ist. Geht
man näher auf die Frage der Erblichkeit gewisser Krankheiten als
Todesursachen ein, um dabei z. B. die tuberkulösen Familien aus-
zuscheiden, dann empfiehlt es sich, die Mitglieder einer Familie
von diesem Gesichtspunkte aus von dem Augenblick an, wo die
Familie zum erstenmal von einem Tuberkulosetodesfall betroffen
wird, zu beobachten. Die Methode der erwarteten Anzahl ergibt
hier 503 erwartete Sterbefälle gegen 667 faktische. Das Material
ist allerdings nicht sehr umfangreich, jedoch scheint festgestellt
werden zu können, daß eine sehr kräftige Ursache, die besonders
in den jüngeren Altersklassen wirksam gewesen ist, mitspielt.
Der Unterschied wird noch erheblicher, wenn man nur solche
Familien betrachtet, wo bereits zwei Sterbefälle an Schwindsucht
eingetroffen sind. Man erhält dann 194 Sterbefälle gegen 116 er-
wartete. Gegen alle solche Berechnungen wird sich selbstverständlich
der Einwand erheben lassen, daß es sich hier wahrscheinlich häufig
um eine Ansteckung handelt, die ein Familienmitglied nach dem
ıı H. Westergaard, Die Lehre von der Mortalität, 2. Ausg., Jena 1901
S. 515 f. und S. 526.