—
566
dies Verhältnis im allgemeinen bedeutungslos ist, wenn man nur bei
Anwendung der Methode der erwarteten Anzahl mehr darauf Wert
legt, die Wirkung einer Ursache zwecks Nachspürung einer anderen
auszuschalten, als auf die genaue Bestimmung des Stärkegrades, mit
der die Ursachen wirken, ist die Abhängigkeit der Wahl eines
Standards bei der Berechnung einer Preisindexzahl anders zu beur-
teilen. Es handelt sich nämlich dann nicht länger nur darum, einer
wirkenden Ursache auf die Spur zu kommen, sondern darum,
eine zahlenmäßige Messung der Gesamtwirkung der Preisveränder-
ungen vorzunehmen. Diesen Mangel muß die Methode indes auch
mit anderen Methoden gemein haben, Wenn sich alle Warenpreise
gleichmäßig oder ungefähr gleichmäßig veränderten, sodaß eventuelle
Abweichungen als lediglich zufällig anzusprechen wären, dann würde
es keinerlei Schwierigkeiten bereiten, sich einen Ausdruck zu ver-
schaffen, der auf einmal einen unzweideutigen Bescheid über das
Steigen oder Fallen mancher Preise gäbe. Aber diese Voraussetzung
wird selten erfüllt werden, und es wird dann (vgl. die $8$ 346 und
356) schon aus dem Grunde schwierig oder ganz unmöglich sein, eine
Methode anzugeben, bei der sich dieser Mangel nicht geltend macht.
Den Fehlerquellen gegenüber, die von der Schwierigkeit stammen,
sich hinlänglich zuverlässige Preisbeobachtungen zu beschaffen und
sich namentlich dessen zu versichern, daß die Preise, mit denen operiert
wird, tatsächlich Waren gleicher Qualität gelten, wird der erwähnte
Mangel indes in praxi gewöhnlicherweise ungemein wenig bedeuten.
Wenn die Grundlage nicht rein willkürlich gewählt wird (vgl. $ 341),
kommt es in der Regel nicht auf große Genauigkeit der Gewichts-
verteilung an (vgl. $ 343), und in allen Fällen kann eine solche
garnicht den ernstlichen Mängeln der Preisbeobachtungen das Gegen-
gewicht halten 1).
861. Immer kann man sich hiermit jedoch nicht zufrieden. geben,
namentlich dann nicht, wenn man eine Preisindexkurve für einen
so langen Zeitraum zu konstruieren sucht, daß einige der Waren,
die zu Beginn der Periode in der betrachteten Verbindung eine
dominierende Rolle spielten, allmählich entweder an Bedeutung ver-
lieren oder sogar ganz vom Markt verschwinden, sodaß nicht ein-
mal am Schluß der Periode der Preis festgestellt werden kann. Nicht
wenig Waren. waren vor einem halben Jahrhundert der Gegenstand
1) Vgl. A. L. Bowley, Elements of statistics, 4th edit., London 1920, S. 94.