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legte, ist häufig zitiert und abgedruckt und von den meisten, die
überhaupt Duvillards Arbeit erwähnen, als die Hauptsache aufgefaßt
worden. Wie Daniel Bernoulli, benutzt auch er mit Vorteil in ele-
ganten Formeln die kontinuierliche Methode‘).
Auf Grundlage von Beobachtungen über Pockenkrankheiten und
die von diesen verursachten Todesfälle fragt er, welche Wirkung ein
eventuelles Verschwinden dieser Krankheit haben würde. Seine
Analyse ist wie die Bernoullis durchweg vollständig korrekt, aber
seine Voraussetzungen sind verwickelter und seine Formeln daher
weniger einfach. Er teilt die Bevölkerung, welche er als Berech-
nungsgrundlage voraussetzt, in verschiedene Gruppen, in solche, die
nach der Hypothese nie von Pocken betroffen werden, solche, die an
dieser Krankheit sterben und solche, die die Pocken überstehen und
später anderen Krankheiten unterliegen werden; und endlich rechnet
er aus, wie die Altersgruppierung der Bevölkerung werden würde,
wenn die Pocken vollständig ausgetilgt werden könnten.
Seine Gedanken wurden kaum verstanden und die allgemeine
Auffassung war vorderhand gegen seine Resultate. Nach der herr-
schenden Bevölkerungstheorie, so wie sie von Malthus geformt
worden war, war es zwar möglich, eine Krankheit wie die Pocken
auszurotten, aber zu guter Letzt würden dann nur andere Krankheiten
an ihre Stelle treten; die Sterblichkeit sei also konstant?). So sagt
auch der französische Nationalökonom J. B. Say, daß, wenn der
Tod die eine Tür geschlossen finde, öffne er nur gleich eine andere;
die ärztliche Kunst rette den einen, während sie den anderen zum
Tode verurteile. Diese Anschauung über eine konstante Sterblich-
keit ist wohl auch die Grundlage für die zahlreichen Versuche, die
Abhängigkeit der Sterblichkeit vom Alter durch eine mathematische
Formel auszudrücken; solche Bestrebungen treten deutlich in den
20er und 30er Jahren hervor. In erster Linie kann auf Grund ihrer
Einfachheit eine von Gompertz aufgestellte Formel (1825) erwähnt
werden, die später von Makeham (1860) geändert wurde; in der so
geänderten Form hat sie für das Versicherungswesen eine bedeutende
Rolle gespielt.
Von Bedeutung, wenn auch ebenfalls fast unbeachtet, waren die
Arbeiten des ausgezeichneten Mathematikers Fourier (1768 —1830).
*) Analyse et tableaux de Vinfluence de la petite v6&role sur la mortalite.
Paris 1806.
°) Malthus, An essay on the principle of population, 3. Ausgabe 1806, II,
5. 361ff.