100 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
bis fast zur Grenze des ewigen Schnees hinaufreichen, so fanden
die eingeführten Haustiere ein weites Feld zu ihrer Ernährung und
Vermehrung vor. Da zudem die spanische Kolonialregierung die
Viehzucht begünstigte, so ist sie eine der Lieblingsbeschäfti-
gungen der Mexicaner geworden. In der Tat ist auch jetzt noch
die Viehzucht in der Hauptsache in den Händen der Mexicaner
geblieben, mit Ausnahme der nördlichsten Staaten, wo in der
Zeit Porfirios Nordamerikaner und Engländer große Grund-
stücke und Viehherden aufgekauft hatten, um Vieh, hauptsäch-
lich für die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten, aufzuziehen,
Überall wäre die Viehzucht bedeutender Ausdehnung fähig,
namentlich wenn durch Brunnenbohrung, Stauwerke oder
Wasserleitungen das unentbehrliche Naß in reicherer Fülle als
bisher beschafft werden könnte. Hier wäre für Europäer eine gün-
stige Gelegenheit der Betätigung, insbesondere in den gesunden
Gebieten des Hochlandes, wo die den Tieflandregionen eigenen
gesundheitlichen Gefahren, insbesondere‘ die Malaria, fehlen
und auch die durch alljährliches Abbrennen der Weideflächen
nur ungenügend zu bekämpfende Zeckenplage gemildert oder
— in den höchsten Lagen — aufgehoben ist. Außerdem ist im
Hochland im allgemeinen der Betrieb billiger als im Tiefland,
wo zumeist die für die Viehzucht bestimmten Geländeflächen
erst mit nahrhaften Gräsern besetzt werden müssen und zudem
die Zeckenplage häufig die Erträge herabsetzt. Möglich ist die
Viehzucht fast. im ganzen Land; nur die wasserlosen, wüsten-
haften Gebiete sind davon ausgeschlossen, und in den Urwald-
regionen ist die Viehzucht auf ein geringes Maß beschränkt,
weil die Rodung und die Instandhaltung der künstlichen Weide-
plätze kostspielig sind.
Die reicheren Weideplätze werden im allgemeinen für die
Zucht von Rindern, Pferden, Maultieren und Eseln benutzt, die
dürftigeren für die Zucht von Schafen und Ziegen, Das Klima
ist allenthalben günstig genug, daß die Erbauung von Ställen
unterlassen werden kann, was natürlich den Betrieb sehr ver-
billigt, aber den großen Nachteil besitzt, daß für den Ackerbau
kein natürlicher Dünger in größeren Mengen gewonnen wird.
{m allgemeinen macht die mexicanische Viehzucht den Eindruck