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52 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft.
nur der erste Typus, also der genossenschaftliche, in Frage. Er ist auch in dieser
Darstellung überall gemeint, soweit nicht geschichtliche Komplikationen in Betracht
gezogen sind.
7. Wem wird Unterordnung erwiesen? Bei der Beantwortung
dieser Frage beschränken wir uns zunächst auf den Fall, daß der Trieb
sich auf ein einzelnes Individuum richtet, wir können dann all-
gemein antworten: dem Überlegenen — überlegen freilich nicht im phy-
sischen Sinne, sondern im Werie. Was aber wertvoll ist, hängt von
Zeitalter und Gruppe ab. Es kann der Eroberer, der Staatsmann, der
Unternehmer, der Heilige, der Künstler, der Athlet oder wer sonst sein
je nach dem Werimaßstabe, der jeweils gilt. Auch der Gehorsams-
trieb erweist sich als ein eminent plastischer Trieb, dessen konkreter
Inhalt den stärksten historischen Verschiedenheiten unterworfen ist.
Die Überzeugung von der Überlegenheit eines Menschen in dem
hier gemeinten Sinne kann auf verschiedene Weise entstehen. Sie kann
zunächst der Gruppe gelten, an deren Autorität der Einzelne. Anteil
hat in dem Maße, in dem er den Eindruck der Zugehörigkeit zu ihr er-
weckt. Von dieser institutionell begründeten Autorität
isı die persönlich begründete zu unterscheiden. Die Über-
zeugung von der Überlegenheit einer Persönlichkeit als solcher entsteht
entweder aus einem Wissen um die Persönlichkeit und ihre Leistungen
oder aus dem unmittelbaren anschaulichen Eindruck, der auch von der
ruhenden Persönlichkeit ausgeht; denn der Instinkt der Unterordnung
wird wie alle Instinkte bereits durch gewisse Symptome, nämlich die
Ausdruckshaltung, in Bewegung gesegt. Wer ein gewisses Selbstbewußt-
sein in seinem ganzen Auftreten zur Schau trägt, der hat von vornherein
eine bevorzugte Aussicht, Anerkennung zu finden und sich durchzusegßen;
die geborenen Führer insbesondere sind solche schon durch Ton, Miene
und Haltung. Die Überlegenheit allein genügt ferner nicht. Der reine
Egoist kann keinen Führer abgeben, höchstens Furcht einflößen; der
echte Führer muß vielmehr den Eindruck erwecken, daß er das Ganze
fördert und damit diejenigen, die sich mit diesem Ganzen innerlich ver-
bunden fühlen. Und er wird diesen Eindruck auf die Dauer nicht er-
wecken, ohne wirklich eine solche Gesinnung zu haben. Die Charakte-
ristik Napoleons bei Taine, daß er alle Menschen lediglich für seine per-
sönlichen Zwecke rücksichtslos ausnußte, muß daher schon deswegen
beanstandet werden, weil sie uns seine geniale Führerqualität nicht zu
erklären vermag. Auch die Gewährung äußerer Vorteile genügt nicht
für die Erzeugung des Unterordnungswillens. Der Reiche, der lediglich
kraft seines Besiges etwa aus Gutmütigkeit anderen wirtschaftlich hilft,
braucht keine Unterordnung oder Verehrung zu finden. Die Förderung
darf nicht als Folge äußerer Verhältnisse erscheinen, der die Person gleich-