Object: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Das Arbeitseinkommen. 
105 
selten diese drei Linkommensformen gemeinsam und ungetrennt 
auftreten. Beim Bauern und Handwerker, die Besitzer ihres Güt 
chens oder des Inventars der Werkstatt sind und die zugleich selbst 
mitarbeiten, wird man Arbeit--, Besitz- und Unternehmer 
einkommen kaum scheiden können, und ähnliche Verhältnisse zeigen 
sich bei schärferer Betrachtung in vielen anderen Fällen. Doch 
müssen wir an der begrifflichen Scheidung streng festhalten; der 
Arbeiter, der nichts besitzt als seine Aörperkcäfte auf der einen 
Seite, der Kapitalist, der nur von seinen Renten lebt, ohne einen 
Finger zu rühren, beziehen ihre Einkommen sichtlich aus ganz 
verschiedenen (Quellen. Der Besitzer von Grund und Boden ist 
dabei als Kapitalist anzusehen; wenn auch die Natur, wie wir 
gesehen haben, ihre Besonderheiten hat, so betreffen diese doch 
nur den Produktionsprozeß. Auch die Grundrente werden wir 
aus der Tatsache des Besitzes erklären. Der Unternehmer aller 
dings kommt nur als solcher, ohne Verbindung mit 2lrbeit und 
Kapital, nicht vor; doch werden wir auch den Unternehmer 
gewinn theoretisch als gesonderte Einkommenguelle zu betrachten 
haben, wir müssen nun untersuchen, wie sich das Volkseinkom 
men wirklich verteilt und nach welchen Bestimmungsgründen sich 
diese Verteilung regelt. 
s. Das rlrbeitseinkommen (Lohn). 
Die Lohnhöhe bestimmt sich zunächst durch An 
gebot und Nachfrage nach der „Ware Arbeits 
kraft"; die Arbeit nimmt darin keine andere Stellung 
ein als jeder andere käufliche Gegenstand. Je gesuchter eine be 
sondere Arbeitsfähigkeit ist, um so höher wird unter sonst gleiche,: 
Umstanden der Lohn sein, den chr Träger zu erlangen vermag. 
Demgemäß stehen die Löhne der „gelernten" Arbeiter, höher als 
die der ungelernten. Man pflegt jetzt noch eine Zwischenschicht 
auszuscheiden; die „angelernten". Unter ihnen versteht man solche, 
die ohne eine längere Lehrzeit»Lurchgemacht zu haben, doch tn 
einigen Wochen oder Monaten eine Anzahl Handgriffe gelernt 
haben, die zur Erreichung des jeweiligen Arbeitsziels nötig oder 
nützlich sind. Die Abstufung zwischen diesen drei Schichten ergibt 
sich aus der Natur der Sache, ebenso wie eine solche nach der be 
sonderen Leistungsfähigkeit. Ls erhalten also jugendliche und 
weibliche Arbeiter weniger als erwachsene männliche; man will
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.