Das Arbeitseinkommen.
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selten diese drei Linkommensformen gemeinsam und ungetrennt
auftreten. Beim Bauern und Handwerker, die Besitzer ihres Güt
chens oder des Inventars der Werkstatt sind und die zugleich selbst
mitarbeiten, wird man Arbeit--, Besitz- und Unternehmer
einkommen kaum scheiden können, und ähnliche Verhältnisse zeigen
sich bei schärferer Betrachtung in vielen anderen Fällen. Doch
müssen wir an der begrifflichen Scheidung streng festhalten; der
Arbeiter, der nichts besitzt als seine Aörperkcäfte auf der einen
Seite, der Kapitalist, der nur von seinen Renten lebt, ohne einen
Finger zu rühren, beziehen ihre Einkommen sichtlich aus ganz
verschiedenen (Quellen. Der Besitzer von Grund und Boden ist
dabei als Kapitalist anzusehen; wenn auch die Natur, wie wir
gesehen haben, ihre Besonderheiten hat, so betreffen diese doch
nur den Produktionsprozeß. Auch die Grundrente werden wir
aus der Tatsache des Besitzes erklären. Der Unternehmer aller
dings kommt nur als solcher, ohne Verbindung mit 2lrbeit und
Kapital, nicht vor; doch werden wir auch den Unternehmer
gewinn theoretisch als gesonderte Einkommenguelle zu betrachten
haben, wir müssen nun untersuchen, wie sich das Volkseinkom
men wirklich verteilt und nach welchen Bestimmungsgründen sich
diese Verteilung regelt.
s. Das rlrbeitseinkommen (Lohn).
Die Lohnhöhe bestimmt sich zunächst durch An
gebot und Nachfrage nach der „Ware Arbeits
kraft"; die Arbeit nimmt darin keine andere Stellung
ein als jeder andere käufliche Gegenstand. Je gesuchter eine be
sondere Arbeitsfähigkeit ist, um so höher wird unter sonst gleiche,:
Umstanden der Lohn sein, den chr Träger zu erlangen vermag.
Demgemäß stehen die Löhne der „gelernten" Arbeiter, höher als
die der ungelernten. Man pflegt jetzt noch eine Zwischenschicht
auszuscheiden; die „angelernten". Unter ihnen versteht man solche,
die ohne eine längere Lehrzeit»Lurchgemacht zu haben, doch tn
einigen Wochen oder Monaten eine Anzahl Handgriffe gelernt
haben, die zur Erreichung des jeweiligen Arbeitsziels nötig oder
nützlich sind. Die Abstufung zwischen diesen drei Schichten ergibt
sich aus der Natur der Sache, ebenso wie eine solche nach der be
sonderen Leistungsfähigkeit. Ls erhalten also jugendliche und
weibliche Arbeiter weniger als erwachsene männliche; man will