322 Einundzwanzigstes Buch, Viertes Kapitel.
mächten angenehm sein mußte: England mit Rücksicht auf
Hannover, Frankreich entsprechend seiner alten politischen Lieb—
haberei für die Libertät der deutschen Fürsten.
War damit der Bund zugleich auch ein internationaler
Schutz Preußens als Großmacht und wurde es um so mehr,
je mehr sich Osterreich und Rußland in orientalische Wirren
verstrickten, so hat er ihm doch vor allem innerhalb Deutsch—
lands zu einem Ansehen verholfen, das über jenes durch das
Einschreiten der Jahre 1777 und 1778 erworbene noch weit
hinausging.
Freilich: als ein Verein zur Reform der deutschen
volitischen Verhältnisse ist der Bund nicht gedacht gewesen, und
noch viel weniger hat er in dieser Richtung gewirkt. Erst
unter ganz anderen Verhältnissen, mit dem Reichsdeputations—
hauptschluß des Jahres 1803, beginnt, von HÖsterreich und
Preußen gleichmäßig veranlaßt und gefördert, die revolutionäre
Zerschlagung des alten Reiches und damit die Vorbereitung
anderer, neuerer Zeiten.
Für die alten Zustände aber schien durch den Fürstenbund
das Gleichgewicht zwischen Preußen und sterreich, zu dessen
Herstellung Friedrich Schlesien erobert hatte und das durch
die Erwerbung Westpreußens noch stärker begründet worden
war, nun tatsächlich befestigt. Ja den Zeitgenossen erschien
die Lage unter dem überwältigenden Einflusse der Persönlich—
keit des großen Königs noch anders: „auf seiner Kraft ruhend“,
hat Goethe gemeint, blieb Friedrich „der Polarstern, um den
sich Deutschland, Europa, ja die Welt zu drehen schien“.
Friedrich der Große selbst hat die Lage nicht in diesem
Lichte gesehen. Er wußte, daß Preußen zu einer den anderen
Großmächten in jedem Betrachte ebenbürtigen Macht noch
immer nicht geworden war. Im Jahre 1781 hat er einmal
in schwer- und übermütiger Laune zugleich seinen Tischgenossen
einen Vorschlag für neue Ordensinsignien entwickelt: für
Osterreich den donnernden Jupiter, für England den Piraten⸗
häuptling Merkur, für Frankreich den Stern der Venus, „und
— D