820 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Jahre 1783 und die gleichzeitigen Rustungen Osterreichs in Europa
ganz allgemein als Anfang vom Ende der Türkei gedeutet.
Unter diesen Umständen mußte König Friedrich wohl
einsehen, daß sein Bund mit Rußland nur noch dem Namen
nach bestand. Schon am 18. Oktober 1782 klagte er: „Ich
werde ad patres gehen und unser Land ohne Verbindungen,
ohne Freunde zurücklassen, in einer Lage, in der es die Streiche,
die der Kaiser ihm beizubringen trachtet, nicht parieren
kann.“ Und so begann er, nachdem ein Bündnisantrag bei
Frankreich zu keinem Erfolg geführt hatte, an eine Kombination
zu denken, die ihm nach früheren Erfahrungen vielleicht am
fernsten lag — an einen Bund der deutschen Fürsten gegen
den Kaiser. Es sollte sich um eine Konföderation handeln
einzig und allein zu dem Zweck, das Reichssystem, so wie es
gegenwärtig war, aufrechtzuhalten; als vornehmste Mitglieder
waren gedacht: Hannover, Braunschweig, Hessen, die Bundes—
genossen aus dem Siebenjährigen Kriege, weiterhin die geistlichen
Fürsten von Bamberg-Würzburg, Vaderborn, Fulda und
Hildesheim.
Am 6. März 1784 erteilte der König den ersten Befehl
zur Einleitung entsprechender Verhandlungen. Aber diese
gingen nur langsam vorwärts. Die Minister, die bisher die
Reichsangelegenheiten bearbeitet hatten, gingen nur mit Be—
denken auf des Königs Plan ein, dieser selbst verlor gelegentlich
die Sache fast aus den Augen, da er Rußland und sterreich
zunächst im.Südosten beschäftigt sah, und die Reichsfürsten,
namentlich die geistlichen, fürchteten zwar Josephs gewalt—
samen Sinn, trauten aber teilweise auch Preußen nicht: am
liebsten hätten sie sich gänzlich ohne Osterreich und ohne Preußen
beholfen.
Da trieb Kaiser Joseph die Frucht selbst zur Reife. Im
Herbst 1784 hörte man von neuen deutschen Plänen des
Kaisers: er regte einen „freien und freiwilligen“ Tausch von
Bayern nebst dem Erzbistum Salzburg gegen die österreichischen
Niederlande an. Es war ein Projekt, das schon im Jahre
1778 einmal aufgetaucht war und bereits damals von Frank—