Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

294 IL Wbfhnitt: Schuldverhältniffe aus Verträgen. 
dur Segenbewei3 entfräftet merden kann. Sie ift alfo nicht, mie da8 Handgeld de3 älteren 
deutiden Recht8, ein Mittel des Vertrags{hlufies. Bielmehr kommt der Vertrag zuftande 
wenn die VBorausfjegungen der 88 151, 154 vorliegen, gleichbiel, ob eine Draufaabe qeaeben 
wird oder nicht. 
Befonder8 Häufig {ft die Draufgabe beim Biehhandel. Am Häuftgften aber fommt fe 
bor bei der Gefindemiete, deren Regelung zufolge Art. 95 EG. den Landesgefegen vorbehalten 
ift. Vgl. u. a. preuß. GefindeD. vom 8. November 1810 8$ 22 ff. Soweit in lepteren hefondere 
Beftimmungen über die Draufgabe nicht getroffen find, gelten die folgenden SS 336—338 au 
für die Gefindemiete. Vgl. die Bem. zu Art. 95 ESG., ferner die Vorbem. 14 zu 8 611 über 
den Sefindevertrag. Ueber eine Sonderregelung bei Hingabe zum Beiden eine8 Berlöb- 
nijfe8 Dal. $ 1301 mit Bem, Für das Gandelsrecht Beftehen feine Sondervorfchriften. Neber 
Handgeld beim Heuerdbertrag mit der Schiffesmannfdhaft vgl. Seemann8D. vom 2. Sunt 1902 8 47. 
I. Das BGG. jHmeigt über den Fall, daß eine Draufgabe mit Nückfiht anf einen 
erft abzufehließenben Vertrag gegeben wird, die {og. arrha pacto imperfecto dat% 
dgl. M. II, 273. Eine Jolde kann insbefondere borfommen, wenn der Vertrag fhriftlich 
gefhloffen merden Jol und die Parteien fi vorerft mündlich geeinigt haben. Für die recht 
lie Beurteilung diefer Draufgabe {ft der aus den Umftänden des einzelnen Falle zu e!* 
muittelnde Wille der Vertragichließenden maßgebend. Ennecceru8, Lehrb., 4./5. Aufl, I 2, 
S. 90, II nimmt an, daß e8 bei {older Draufgabe in der Regel dem Winden der Parteien 
ent{pricht, daß der Geber fie verliert, wenn er den Vertrags{hluß weigert. Allerdings? galt 
dieje Vermutung im gemeinen Recht. Als praesumptio facti tft fie auch heute nod) angängig- 
Dagegen ift eine Beftimmung, mie diejenige des römijden Recht3, 1. 17 Cod. de fide instr. 4, 21, 
derzufolge der Empfänger die arrha doppelt anrüdgeben mußte, wenn er den Abjhluß 
de8 VertrageS weigerte, nicht mehr anwendbar. Der Anipruc des Geber8 der arrha auf 
Rückgabe derjelben {ft in diefem Falle regelmäßig aus $ 812 (condictio sine causa) zu begründen‘ 
Vgl. jedoch S 338, der auch auf diefe arrha analog anwendbar jein dürfte. 
8 336.*) 
Xird bei der Eingehung eines Vertrages etwas als Draufgabe gegeben, {0 
gilt dies als Zeichen des AbfHhluffes des Vertrags, 
Die Draufgabe gilt im Zweifel nicht als Reugelb. 
GE. I, 417; IL, 288; IIL, 330, 
1. Der S$ 336 gibt nur eine Uuslegungsregel. Das Draufaeld Kann inSbefondere 
au die zu Borbem, II erwähnte Bedeutung haben und zur SAD eines af ab- 
en Vertrages gegeben feim oder auch die Bedeutung eine8 Reugelde8 haben- 
gl. Bem. 2. 
Bei der Feftftelung, was als Bortelioille anzunehmen fei, fann auch ein etwa 
Aliehender Örtsgebrauch oder die ÖÜrtSfitte in DBerückfichtigung gezogen werden 
3 Allerdings fann die Draufgabe au den Charakter eines Reugeldes (arrha 
poenitentialis), Wandelpin, haben, wenn die — ausdrückliche oder ftilfchweigende — Abhricht 
der VertragichlieBenden darauf gerichtet ift, daß der einfeitige Rücktritt vom Vertrage 
gegen Berlujt der hingegebenen oder gegen NRücdgabe der empfangenen Draufgabe geftattet 
* Siteratur: Jagemann, Die Draufgabe 1873; Bedmann, Kauf, Bd. 2 
S. 415 f.; Stobbe.Sehmann, D. Privatrecht II 8 218; Kunze, Das Wejen und die 
Bedeutung der arrha de& gemeinen NechtZ im Verhältnis zu der Draufgabe bes BSGB., der 
KXonventionalfirafe des gemeinen Recht3 und der modernen BertragSfirafe, 1904; Schrüdter, 
Vergleichende Darftelung des Necht8 der arrha (Draufgabe) nach dem gemeinen Recht und 
dem BOGB., Erlanger-Diff. 1899; Vallentin, Die Draufgabe des gemeinen Recht2, Die 
Draufgabe des BGB,, Berliner-Diff. 1900; Runge, Wejen und Bedeutung der arrha des 
gem. Kecht3 im Verhälinis zur Draufgabe des BGB, Berlin 1904; ®ipp, NRechtswahr- 
nehmung und Reugeld, Berlin 1908; Sedermann, Die Unterfchiede des Reugeldes (199. 
Wandelpän) und der BVertragsfirafe im gemeinen Recht und neuen Reicdhsrecht, Berlin 1904; 
Ennecceru8, Sehrb. d. Bürger. RN. I, 2 (4./5. Aufl.) S 260 S, 89
	        
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