Argentinien.
vermögens treten. Der Regierung könnte es an sich gleich-
gültig sein, woher sie die für ihre rein staatlichen Zwecke
erforderlichen Mittel erhält, der ganze Zustand hat aber etwas
durchaus Ungesundes, denn Schließlich ist die Regierung
nicht nur um ihrer selbst willen da. Von der argentinischen
möchte man dies aber fast glauben und das hängt mit der
früher geschilderten Entstehungsweise der sämtlichen lateinisch-
amerikanischen Staaten zusammen. Als frühere spanische Kul-
tivationen waren sie durch die Losreißung vom Mutterlande
plötzlich auf sich. selbst gestellt mit allen Ausgaben selb-
ständiger Staaten, aber ohne jede finanzielle Grundlage und
nationalen Zusammenhang. So lebten die Regierungen küm-
merlich dahin, mit Mühe ihren Ländern das Nötigste für die
Erhaltung des staatlichen Ansehens erpressend, ohne Für-
sorge für die Hebung der Länder und der Bevölkerung, den
einzigen Weg zur Schaffung einer gesunden wirtschaftlichen
Grundlage, nur bedacht, den Schein politischer Selbständig-
keit zu wahren, selbst gegen den Verlust der wirtschaftlichen
Unabhängigkeit.
Heute ist dies insofern anders, als durch die Schöpfungen
der Ausländer die Staatsfinanzen geordnet sind, die Einnah-
men wachsen und alle Bedingungen für das Gedeihen eines
Staates gegeben wären, wenn eben nationale Staaten sich
entwickelt hätten. Aber als solche kann man diese Staaten-
gebilde mit dem besten Willen nicht bezeichnen. Mag die
Masse der Bevölkerung allmählich naturalisiert sein, sie ist
es nicht, auf die sich die Staaten zur Lösung ihrer Ausgaben
stützen können; ohne die in ihren Grenzen lebenden Aus-
länder und deren Kapital stünde es schlimm mit dem viel-
gerühmten Aufschwung der lateinisch-amerikanischen Länder,
und wenn plötzlich der Fall eintreten sollte, daß das aus-
ländische Kapital aus irgendeinem Grunde zurückgezogen
würde und diese Länder sich selbst überließe, so würde die
Welt mit Staunen erkennen, was diese Länder eigentlich
sind: der Tummelplatz fremden Kapitals und der Kampf-
platz ausländischen Wettbewerbs ohne irgendwelche. eigene
nationale und wirtschaftliche Kraft. Aber gerade der Schein
wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, den das fremde Kapital
geschaffen, ist es, der allmählich durch die Gewohnheit nicht
nur das Ausland, sondern auch diese Länder selbst über ihr
eigentliches Wesen täuscht.
Trotz alledem brauchte man an der Hoffnung nicht zu
verzweifeln, auch diese Staaten einer wirtschaftlichen Selb-
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