thumbs: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Weltanschauung. 
321 
Unterscheidungsmerkmal des Menschen ist nur eine besonders 
große Eindrucksfähigkeit und Selbsttätigkeit der Seele im Sinne 
schöpferischer Kraft: und so sind wir weniger Herren als Krone 
der Schöpfung. 
Mit alledem erschien denn der innere Zusammenhang 
wenigstens der organischen Welt völlig hergestellt — denn was 
die Tiere anging, war in schwächerem Sinne leicht auch für 
die Pflanze nachzuweisen: eine einzige große Urkraft geistiger 
Natur ergoß sich durch alle Wesen, wenn auch in verschiedener 
Stärke. 
Allein an der Beseelung der organischen Welt ließ sich 
die empfindungsreiche Zeit bald nicht mehr genügen. Sie riß 
auch die von Reimarus noch ziemlich entschieden festgehaltene 
Schranke nieder, die zwischen Physikalischem und Organischem 
noch bestand, und suchte in dem weiten Empfindungskreise 
eines vollen Pandynamismus zur Beseelung der Welt über— 
haupt zu schreiten. Ansätze in dieser Richtung finden sich schon 
bei Sulzer. Sulzer lebt in der Auffassung der gesamten Natur 
als eines Systems von stofflich gebannten Kräften und in dem 
Gedanken ihrerx harmonischen Ordnung; es waren Ideen, die 
dem begeisterungsfähigen Schweizer, einem deutschen Nachbild 
des französischen Schweizers Rousseau, leichter als anderen 
nahen mochten. Und so betrachtete Sulzer selbst das Genie 
nach Analogie derselben unbewußt vernünftig wirkenden Natur— 
kraft, die er, in anderen Wirkungsweisen freilich, im starren 
Gestein des Felsens und in der bunten Märchengestalt des 
Schmetterlinges wiederfand. 
War man aber so weit fortgeschritten: erschien der Emphase 
der empfindsamen Kreise und um wie viel mehr noch dem 
Pathos der Stürmer und Dränger die Welt allbeseelt und 
glaubte man die naturwissenschaftlichen Beweise für einen 
enthusiastischen Monismus des Geistes in Händen zu halten: 
so begreift sich, daß dieser machtvollen Flut von Vorstellungen 
gegenüber weder die Bollwerke der alten cartesianischen Philo— 
sophie mit ihrem ausgesprochenen Dualismus standhielten, noch 
auch die Dämme der Leibnizschen Weltanschauung, die, bei 
*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.