Gebiete neue und ungewohnte Mittel. Einrichtungen, wie Volksfpeifung, ge
meinnützige Schuh- und Kleider-Befchaffung und -Inftandfetzung, Mietunter-
ftützungen u[w. kennzeichnen die Breite der Aufgaben; Säuglings-, Klein
kinder-, Schulkinder- und Jugendlichen-Pflege, Arbeiterinnen- und Familien-
Fürforge, berufliche, hygienifche, haus- und gartenwirtfchaftliche Unter
weifungen bedingen die Tiefe einer befonderen Bearbeitung des Einzelfalles,
unter dem atmosphärifchen Druck der Kriegsnot, Entbehrung und Kraft-
ausfchöpfung aber den Weg von „müffen“ zum „wollen“, vom Leiden
zum Tun zu bahnen, aus wirtfchaftlidier Einficht wirtfdhaftliche Kraft zu
gewinnen, in jedem einzelnen das Pflichtgefühl der Mitverantwortung für
des Reiches Wohlfahrt zu wecken, diefer Weg führt in die Höße, auf
welcher das innere Auge durch das Leuchten des Lebenshorizontes auf-
gefchloffen wird.
Von folchem Weitblick geleiteter Zukunftswille bildet, die Einzel-
Orientierungen zufammenfaffend, die X\vecßbedacßtßeit, welche alle Maß
nahmen der Kriegswohlfahrtspflege beherrfchen muß. Dem Zwang und
Bann der Verhältniffe nachgebend, ift, unter Liquidation alter wirtfchaftlidher
und [ozialer Lebensformen, ein Neuland in Bildung begriffen, welches ein
Lernvolk betritt, um zum Tatvolke zu reifen. Noch ringen in Unzahl
treibende Kräfte nach dynamifcher Entfaltung, und was einftweilen im ge
waltigen Feuer des Erlebens behelfsmäßig gefchieht, will nach dem Kriege
fyftematifch durchgeführt fein. Die fchwerften Aufgaben, uns volkswirt-
fchaftlidh wieder in die Höhe zu arbeiten, liegen noch vor uns. Die alles
Wirken lenkende Magnetnadel muß deshalb immer wieder in die Richtung
des Aufbaues fchlagen. Demgemäß werden auch manche Beftrebungen der
Wohlfahrtzentrale nur als Schrittmacherdienfte zu werten fein.