2, Das nächste in Betracht kommende System ist das alte Feldersystem.
Feldersystem, wo bestimmtes Ackerland in dauernde, geregelte Be-
wirtschaftung genommen ist und zwar geteilt in verschiedene Felder,
die in der Fruchttragung mehr oder weniger regelmässig abwechseln.
Das verbreitetste System ist das Dreifeldersystem, wo in dem
mitteleuropäischen Klima auf jedem der drei Felder Winterung,
Sommerung und Brache nach einander folgen. Es giebt aber auch
eine Zwei- und Vierfelderwirtschaft etc., wo bei der ersteren die
Brache mit einer Frucht abwechselt, in der Mehrfelderwirtschaft zwei
und mehr Brachjahre mit ein oder zwei Früchten abwechseln, oder auf
ein Brachjahr dieselbe Frucht mehrere Jahre hintereinander folgt.
Auch bei der Dreifelderwirtschaft begegnen wir dem Usus, dass auf
ein Brachjahr zwei Jahre hintereinander Winterung, oder auch
nur Sommerung gebaut wird. Dies war zum Beispiel im alten
Griechenland sehr gebräuchlich, weil man davon ausging, dass ein
Boden sich besonders zum Tragen von Weizen, ein anderer zum
Tragen von Gerste eigne, und man deshalb nur die betreffende Frucht
darauf anbaute und sie mit Brache wechseln liess. In dem frühen
Mittelalter ist in Deutschland das Sommergetreide besonders bevor-
zugt, welches zugleich die Hauptnährfrucht des Menschen war, so dass
sicher auch in der Dreifelderwirtschaft nur Sommergetreide mit Brache
abgewechselt hat. Auf der anderen Seite darf man nicht annehmen,
dass in der Dreifelderwirtschaft allgemein die Dreiteilung in der Weise
genau innegehalten wurde, dass stets ein volles Drittel des vorhandenen
Ackers in jedem Jahre mit Winterung, ein weiteres mit Sommerung
bestellt gewesen sei, während nur ein Drittel brach gelegen hat, viel-
mehr ist sogar bis in das vorige Jahrhundert hinein, wie wir auf
Grund von Wirtschaftsbüchern sogar bei grossen Gütern nachgewiesen
haben, die Bestellung des einzelnen Feldes sehr unvollständig gewesen,
SO dass durchschnittlich selbst in vorgeschritteneren Wirtschaften nur
50—60%, des Ackers zur Fruchttragung herangezogen waren. In den
früheren Jahrhunderten ist dieser Prozentsatz natürlich ein noch viel
niedrigerer gewesen. Man pflegte namentlich auf leichterem Boden
mit Winterung nur so viel zu bestellen, als man bedüngen konnte, und
sehr häufig, ja sogar meistens reichte der Dünger für ein volles Drittel
des Landes nicht aus. Dazu kam, dass bei dem sehr unvollkommenen
Zugviehmaterial man namentlich bei nasser Witterung die Bestellung
nicht rechtzeitig bewältigen konnte, und deshalb ein Teil des Schlages
zum Beispiel mit Winterung nicht bestellt werden konnte, dafür dann
aber im Sommer noch ein Teil des Winterschlages mit Hafer ete. be-
Säet wurde. In früheren Zeiten hat daher im allgemeinen ein grösserer
Prozentsatz als 30 %/ des Ackers brach gelegen. Auf der anderen
Seite ist namentlich schon Ende des 18. Jahrhunderts, als die Kultur
des Klees durch den Oesterreicher Schubart in Deutschland ein-
gebürgert wurde, und daneben noch die Kartoffel Platz griff, mit beidem
<in Teil des Ackers bestellt, der sonst brach gelegen hätte. Nament-
lich ist die Kartoffel in den Brachschlag aufgenommen. Futterkräuter
wie Kartoffeln, nahmen aber noch im Beginne dieses Jahrhunderts in
Preussen nur je 2—3%, des Landes in Anspruch. Daneben hatten
allerdings in einzelnen Gegenden mancherlei Handelsgewächse, nament-
lich Oelfrüchte, in dem Brachschlage Platz gefunden. In der ersten
Conrad, Grundriss d, volit. Oekonomie. 11. Teil. 3. Aufl. \
Dreifelder-
wirtschaft.