brauch stark gestiegen; er betrug 1911 6670531 cwts, 1026
7396 844. England hat in manchen der Nachkriegsjahre weniger
Baumwolle aus Indien bezogen als Deutschland, Belgien oder
Italien. Die englische Ausfuhr an Tuchen nach Indien ist seit
1913 um etwa.die Hälfte gesunken. Aber die englische Textil-
industrie ist darauf eingestellt, den Weltverbrauchallein
zu decken. Während in Asien leistungsfähige Industrien ent-
standen sind, die die östlichen Länder versorgen und ihre Roh-
stoffe aus ihrer nächsten Nachbarschaft beziehen, liegt der eng-
lische Apparat zu einem großen Teil still. Im Juli 1927 waren
in der englischen Woll- und Baumwollindustrie 312 000 männ-
liche und 507 000 weibliche Arbeiter. arbeitslos.
Die enormen Gewinne, die die Textilindustrie von Lan-
cashire mit Hilfe der englischen Regierung Jahre hindurch
machen konnte, gehören heute der Vergangenheit an. Die Über-
windung der Schwierigkeiten wird hier, wie überall, auf Kosten
der Arbeiterschaft unternommen. Wir stehen heute mitten in
der Krise und wissen noch nicht, wie ihr Ende aussehen wird.
Aber sicher ist, daß sie nicht ohne die schwersten Arbeits-
kämpfe überwunden. werden kann. Nachdem der Plan, einen
Konzern zu gründen, dem Firmen mit insgesamt mindestens
zwei Millionen Spindeln angehören sollten, gescheitert ist, und
nachdem weiter eine Konferenz zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern, die die Frage der Lohnherabsetzung und Ar-
beitszeitverlängerung regeln sollte, mit der Ablehnung sämt-
licher Vorschläge der Unternehmer durch die Arbeiterschaft
endete, beginnen die Arbeitgeber mit Gewalt vorzugehen.
Die Unternehmerverbände haben an ihre Mitglieder die An-
frage gerichtet, ob sie bereit sind, in einen Arbeitskampf einzu-
treten. Das Ziel dieses Kampfes ist: Herabsetzung der Standard-
akkordlöhne um 25%, bei Zeitlohnarbeitern entsprechend. Die
Unternehmer der amerikanischen und der ägyptischen Sektion
werden angefragt, ob sie bereit sind, ihre Spinnereien zu
schließen und die Arbeiter auszusperren. Der Ausgang dieser
Aktion steht noch bevor.
Allein aus dem Rückgang der englischen Textilindustrie ist
es auch zu erklären, daß die ersten Arbeiterschutzgesetze für
die indische Textilarbeiterschaft nicht etwa auf die Bestrebun-
gen der indischen Arbeiterbewegung, sondern auf die der
Baumwollherren von Lancashire zurückzuführen sind. Und es
ist bezeichnend genug, daß das plötzlich erwachte Mitgefühl
mit der ausgebeuteten indischen Arbeiterschaft sich lediglich
auf die Textilarbeiter bezieht, während doch der Kuli auf den
Teeplantagen ein mindestens ebenso fürchterliches Sklaven-
dasein führt. Aber in Lancashire wird eben nicht Tee, sondern
Baumwolle verarbeitet. Schon 1875 begann die indische Textil-