auf ein falsches Pferd gesetzt haben. Warum sollen wir dazu bei-
tragen, billige und zahlreiche Konkurrenten für unsere Kinder
und Kindeskinder aufkommen zu lassen?‘ Gemeint ist damit
nichts anderes als: warum sollen die Eingeborenen durch ihre
billige Arbeitskraft und die dadurch erzielten billigeren Preise
selbst den Nutzen für ihre Arbeit haben, anstatt ihn wie bisher
denen zu überlassen, für die die farbigen Arbeiter nützliche
Profitschaffer gewesen sind? Nur solange die billige Arbeits-
kraft abhängig ist von der Kapitalkraft der Weißen, wirkt sie
sich in dem Sinne der Profitwirtschaft aus. In dem Augenblick,
da sie selbständig zu werden beginnt, wird sie zu einer ernsten
Gefahr für die Interessen der Kapitalisten. Als von 1926 auf
t927 die Ausheute der südafrikanischen Diamantindustrie sich
nahezu verdoppelte (von 4 auf 7 Millionen), wurde, nachdem
durch das Überangebot die Preise stark zurückgegangen waren,
ein Beschränkungsgesetz (Precious Stone Bill) eingebracht.
Hätten die Eingeborenen selbst das Verfügungsrecht über ihre
Arbeit und das Produkt ihrer Arbeit, so entstände dem euro-
päischen Kapitalismus eine gefährliche Konkurrenz; so aber ist
es möglich, den Überfluß an volkswirtschaftlichen Gütern, der
bei anderer Anwendung und Verteilung, die Lebenshaltung
breitester. Schichten heben könnte, im Interesse einiger abzu-
drosseln. Durch die Ausnutzung der Arbeitskraft der ein-
geborenen Arbeiter können hier noch ungeahnte Werte er-
schlossen werden. Aber noch steht der Kampf um die Aus-
nutzung dieser Güter in seiner ersten Phase. In den letzten
Jahren sind große neue Produktionsanlagen geschaffen worden.
Zu der alten Union Steel Corporation von 1912 sind 1920 die
South African Iron and Steel Corporation in Pretoria und die
Newcastle Iron and Steel Works:in Natal getreten. Im. Juli
1927 wurde im Parlament über die Errichtung eines großen
staatlichen Eisen- und Stahlwerks beraten. Der jährliche Ver-
5rauch an Eisen und Stahl beträgt in Südafrika (ohne Maschinen)
jährlich zur Zeit rund 370 000 t. Da die jährliche Inlandproduk-
tion gegenwärtig nur etwa 50 000 t beträgt, ist der Absatz ge-
sichert... Die „Los vom Abendland-Bewegung‘‘ macht Fort-
schritte. Der Augenblick, da die eingeborenen Arbeiter ihre
Rechte sichern könnten, rückt heran. Für sie kommt jetzt alles
darauf an, daß der Sieg über das englische Kapital für sie nicht
mit einer Unterwerfung unter die Herrschaft des sich neu ent-
wickelnden einheimischen Kapitalismus verbunden ist.
Hier liegen die Aufgaben für die Internationale. . Freilich,
heute genügen nicht mehr Aufrufe, nicht der gute Wille allein.
Es gilt, die wirtschaftlichen Tatsachen zu erkennen und überall
dort mit der Arbeit einzusetzen, wo die ökonomische Entwick-
ung selbstden Eingeborenen schon Angriffsmöglichkeiten bietet.