Full text : Arbeiterschaft und Kolonialpolitik

praktisch von dem eines Sklaven nicht unterschieden. Diese
Gesellschaft, der auch fast alle Pflanzungen in Belgisch-Kongo
gehören, wo eine Stadt nach. ihr. „Leverhulm“, der Hauptausfuhrhafen
 für Palmöl „Sunlight‘“ heißt, zahlt nach den amtlichen
Veröffentlichungen in Belgisch-Kongo ihren Arbeitern einen
Durchschnittswochenlohn von 2 belgischen Francs und. „Verköstigung‘“.
 Diese besteht aus % kg Reis, 100 g geräuchertem
Fisch und 10 g Salz. In dem Inneren des Landes, in Ifik, erhalten
 die Plantagenarbeiter nur 2 Francs ohne jede Verköstigung.
 Die Zahl der Arbeiter der „Huileries de Congo belge“,
die unter diesen Bedingungen leben, beträgt. 20 000—30 000.
Bisher hat keine belgische Regierung und kein belgischer
Außenminister hier. Wandel geschaffen!
Trotz allem aber läßt sich die Unabhängigkeitsbewegung
der Eingeborenen nicht mehr aufhalten, und alle Versuche, gegen
sie vorzugehen, müssen scheitern. Das Stadium, in dem menschenfreundliche
 Europäer mit den armen unglücklichen Farbigen
 Mitleid haben mußten und ihnen helfen wollten, ist vorbei.
Die Eingeborenen haben längst bewiesen, daß das Recht auf
ihrer Seite ist, und daß sie den ernsten Willen-und die Kraft
haben, dem Recht zum Siege zu verhelfen. Es handelt sich für
Europa heute nicht mehr um Mitleid, sondern um ein Parteiergreifen
 nicht allein für die Sache eines moralischen Rechts,
sondern für das historische Recht und den geschichtlichen Fortschritt.
 Es sollte uns zu denken geben, wenn ein so nüchterner
und gründlicher Sachkenner wie Haushofer („Zeitschrift für
Geopolitik‘“ IV, 22), sagt:
„Eine so verlogene, nur.im Augenblick verschleierte Gewaltpolitik
 wie sie Innereuropa gegenüber noch angewendet wird,
würde sich im indopazifischen Raum zur Zeit nicht einmal in
den nach der alten Kolonialmethode noch verwalteten Gebieten
durchführen lassen, so in Indochina, Insulinde oder einzelnen
Kronkolonien, ohne daß man Aufstände oder Streik- und
Boykottbewegungen in Kauf nehmen müßte, die bei der Arbeitslosigkeit
 der Industriestaaten gefährliche Rückschläge in der
Heimat üben würden.‘ Die Bürgerlichen rechnen mit der Bewegung
 der Eingeborenen und der Aktion des europäischen
Proletariats als mit einer historisch notwendigen ‘Tatsache.
Sollen wir ihre Rechnung täuschen?

Braucht Deutschland Kolonien?

Daß in dem heutigen Stadium der weltkapitalistischen Entwicklung
 die .Kolonialpolitik nichts sein kann als eine Profit-
            
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