Full text : Arbeiterschaft und Kolonialpolitik

wie der europäischen Arbeiterschaft, gleiche
Lebensbedingungen und gleiche soziale Voraussetzungen
 — das ist der Weg, der in dem kolonialen
Proletariat das Vertrauen zu der Internationale wecken und es
zum Klassenbewußtsein und zur Solidarität erziehen wird. Das
allein auch kann es loslösen aus jedem Zusammengehen mit
den Kapitalisten des eigenen Landes, auch bei zeitweiligen
gleichen Interessen: gegenüber der‘ Kapitalistenklasse des
Mutterlandes,
Weiter muß die sozialistische Internationale allen kolonialten
Völkern ohne Unterschied ihrer „Entwicklungsstufe‘“ das uneingeschränkte
 Recht auf nationale und staatliche
 Selbständigkeit zuerkennen, jede Bestrebung der
Selbstverwaltung fördern.
Das sind durchaus keine utopischen Forderungen. Schon
bevor die Arbeiterklasse in den einzelnen europäischen Staaten
zur Macht gelangt ist, hat sie die Möglichkeit, sich im parlamentarischen
 und außerparlamentarischen Kampf für sie einzusetzen.
 Ebenso können und müssen schon heute die sozialistischen
 Parteien der einzelnen Länder die Forderungen der Nationalisierung
 des angelegten Industriekapitals,
 des Schutzes der einheimischen
Bodenschätze, der Agrarreform und der Beseitigung
 jedes rechtlichen Unterschiedes
zwischen weißen und farbigen Arbeitern
innerhalb der Kolonien vertreten.
Eine der wichtigsten Forderungen aber muß sein, daß
die der Internationale angeschlossenen Parteien es grundsätzlich
 und unter allen Umständen ablehnen
 müssen, irgendwelche kolonialen Unternehmungen
 ihrer Regierungen — handle es sich um die
Eroberung neuer Kolonien oder um die Unterwerfung aufständischer
 Kolonialvölker — zu unterstützen, sei es durch die
Bewilligung der dazu notwendigen Mittel oder gar durch
Militärdienst. Dieser Beschluß muß bindend und verpflichtend
 sein. Jede einzelne Partei ist sich der vollen
Tragweite eines solchen Beschlusses bewußt. Jede einzelne
Partei weiß, daß sie einen solchen Beschluß nicht durchbrechen
kann, ohne den Lebensnerv der Internationale zit berühren, ohne
sie.in ihrem Bestande zu gefährden. Höchstes, letztes, einziges
Ziel aber ist jeder proletarischen Partei Leben, Ausbau und
Stärkung der Internationale. Ihr allein ist sie verantwortlich,
sie allein darf das Gewissen sein, das ihre Handlungen kontrolliert.
 Und dieses Kontrollrecht, ja die Kontrollpflicht muß
sie in erhöhtem Maße ausüben. Die Internationale ist mehr
als die Zusammenfassung einzelner Parteien, sie ist ein Or-15


            
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