und Volksniederlassungen zu gründen gedachte, die ihre Bedürf-
nisse aus der Heimat bezögen, der sie andererseits die notwendigen
Rohstoffe zuführten. Die Unklarheit dieser Ziele, bei denen man
sich über die Aufnahmefähigkeit Afrikas und Südamerikas für
europäische Fertigwaren ebenso täuschte wie über die Möglichkeit
der Anlage von Volksansiedlungen in tropischen Ländern, wurde
der Westindischen Kompanie verhängnisvoll. Tatsächlich ist der
Handel für sie von geringer Bedeutung ‘gewesen;
die Gewinne erwuchsen meist aus dem Krieg. Viele
erkannten den geringen wirtschaftlichen Wert der neuen Unter-
nehmung auch schon bei der Errichtung der Kompanie; und es
prägte sich der Mangel an Vertrauen in der sehr lässigen Aktien-
zeichnung aus, so daß der Staat sich genötigt sah, ungefähr die
Hälfte des Kapitals, 4 Mill. fl., vorzustrecken und aus seinen Mitteln
die Flotte der Kompanie zu vermehren.
Das Ergebnis der langjährigen Kämpfe in Brasilien ist bekannt;
der durch etwa 30 Jahre schwer und mühsam behauptete Besitz
eines Küstenstreifens endete um 1654 mit dem völligen Verluste
dieses Gebietes!). Was der Kompanie schließlich von ihren Erwer-
bungen noch verblieb, waren einige Besitzungen an der afrikanischen
Westküste, einige westindische Inseln, ferner Surinam, Demerara,
Essequebo, endlich im Norden Neu-Amsterdam. Nur einen Teil
der an der Nordküste Südamerikas belegenen Besitzungen und Cura-
cao haben die Niederländer bis in die Gegenwart sich erhalten können.
Für die politisch-militärische Aufgabe, die der Kompanie gestellt
war, fehlten ihr alle Mittel; die Unterstützung, die sie hierfür aus
dem Mutterlande erhielt, war von Anfang an völlig unzureichend.
Handel aber konnte man nur treiben, wenn man politisch und
militärisch einigermaßen gesichert war. Jedoch auch rein wirtschaft-
lich zeigte sich die Leitung der Kompanie nicht auf der Höhe?).
Das Handelsmonopol wurde freilich schon 1634 aufgehoben; es hatte
sich als völlig unhaltbar erwiesen, da die Kompanie sich der Auf-
gabe, die besetzten Gebiete ausreichend mit Lebensmitteln zu ver-
sorgen, nicht gewachsen zeigte. Gegen die freien Händler erhob
1) Die Westind. Komp. büßte durch den Verlust Brasiliens 28 Mill. fl. ein,
während Portugal 1661 nur 8 Mill. fl. Schadenersatz zahlte (Brugmans, Op-
komst, S.: 137)-
2) Wätjen, S. 285.
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