IL Die Organisation des deutschen Buchhandels, 3
Hauptstapelplätze der buchhändlerischen Produktion, Frankfurt a. M.
tür den westdeutschen und internationalen, Leipzig mehr für den
ostdeutschen Buchhandel. Hier trafen die Buchhändler aus allen
Himmelsgegenden als Käufer und Verkäufer zusammen, hier gewannen
sie Überblick über den Büchermarkt und konnten die Büchererzeugung
und den Absatz danach regein. Jm 16. und 17. Jahrhundert
standen Frankfurt a. M, und Leipzig gleichwertig nebeneinander,
im 18. Jahrhundert verminderte sich Frankfurts Be-Jeutung
als buchhändlerischer Meßplatz. Als im Jahre 1764 zahlreiche
Verleger beschlossen, infolge mancherlei widriger Umstände
die Frankfurter Messe nicht mehr zu besuchen und fernerhin nur
noch in Leipzig Auslieferungslager zu unterhalten, verlor Frankfurt
seine Bedeutung und Leipzig wurde zum Mittelpunkt des gesamten
deutschen Buchhandels,
Diese Stellung hat Leipzig, begünstigt durch seine Lage im
Herzen Deutschlands, in jahrzehntelanger Weiterentwicklung seiner
Verkehrseinrichtungen durch die Leipziger Kommissionäre, im besondern
auch durch die zielbewußte Förderung der Platzinteressen
seitens des Vereins der Leipziger Buchhändler, sich bis zum heutigen
Tage zu erhalten gewußt.
Die Buchhändler-Zentrale Leipzig ist trotz mancherlei Stürme,
die im Laufe der Jahre und besonders in der Kriegs- und der ihr
folgenden Inflationszeit über sie dahin gefegt sind, in ihren Grundfesten
unerschüttert geblieben; sie ist nach wie vor das Bindeglied
des deutschen buchhändlerischen Verkehrs und der wichtigste Bestandteil
in einer Organisation, die von den andern Kulturnationen
bewundernd anerkannt wird, ohne daß sie bisher etwas ihr Gleichwertiges
zu schaffen vermochten.
Dem Buchhandel ist der Vorwurf gemacht worden, daß er heute
noch an Einrichtungen festhalte, die aus der Zeit der Postkutsche
und des Frachtwagens in die Gegenwart einer hochentwickelten Verkehrstechnik
herüberragen. Es will dem Laien recht seltsam erscheinen,
daß beispielsweise ein Stralsunder Sortimenter von einem
Stettiner Verleger ein Buch auf dem Umweg über Leipzig, statt
auf dem geraden, direkten Wege bezieht; auch sieht der volkswirtschaftliche
Theoretiker das Leipziger Kommissionsgeschäft und
Barsortiment als einen Zwischenhandel an, der im Interesse einer
Verbilligung der Bücherpreise beseitigt werden müsse.
Wie wenig diese Beurteilung der fachmännischen Kritik standhält,
wird sich aus folgendem ergeben.
Zunächst müssen wir uns das schon in der Einleitung Gesagte
vergegenwärtigen, daß das Buch kein Handelsartikel ist wie jede
andere Ware, die der Wiederverkäufer vom Produzenten oder
Grossisten — diesen Zwischenhändler gibt es aus Notwendigkeitsyründen
auch im Warenhandel — in großen Posten für den Einzel-