Full text : Der deutsche Buchhandel

IL. Die Organisation des deutschen Buchhandels.

handel in seiner Mehrheit. in einen direkten Verkehr mit dem Publikum
 treten kann. Ich kann es, es können einige wenige Spezialverleger,
 die sich an bestimmte abgegrenzte Kreise wenden, der deutsche
wissenschaftliche Verleger im allgemeinen kann es nicht.“ Und
Adolf Kröner, dessen Bedeutung für den Buchhandel in dem später
folgenden Abschnitt „Der Verlagsbuchhandel“ gekennzeichnet werden
 wird, sagte gelegentlich der Berliner Verhandlungen: „Die eigenartige
 Organisation des deutschen Buchhandels, mit seinen über das
ganze Sprachgebiet verzweigten Sortimentsgeschäften, liegt nicht
nur im Interesse des Buchhandels, sondern ebenso im Interesse der
Bücherkäufer und der Schriftsteller. Die Vernichtung dieser Organiaation
 würde höhere Bücherpreise zur Folge haben, den Vertrieb
der besseren Literaturerzeugnisse hemmen, also eine Schädigung
unserer Kultur bedeuten.“
Der deutsche Buchhandel ist Sieger in diesem Kampfe geblieben,
weder die angefochtenen Verkehrseinrichtungen noch die Verweigerung
 des Kundenrabatts sind gefallen; einige Konzessionen an die
Gelehrten haben den Frieden zwischen beiden Parteien wieder hergestellt.
 Heute hat das Ereignis, das vielen Staub aufwirbelte, nur
noch historische Bedeutung, Bemerkenswert ist hierzu, was Dr. W.
Ruprecht in der Sonderausgabe des Börsenblattes aus Anlaß des
Jubelfestes Kantate 1925, das mehrfach die Unterlagen für vorstehende
 Darlegungen gegeben hat, am Schluß seines Artikels „Der
Börsenverein und der Verlag“ sagt: „Der Ladenpreis ist uns ein
Symbol geworden; er ist das Feldzeichen, unter dem der deutsche
Buchhandel seinen Wirtschaftskampf führt. Fällt er, so ‘sinkt
mit ihm der große gesunde Körper dahin. Man mag mit Recht den
Verlag das Herz des Buchhandels nennen. Kann das Herz ohne die
großen und kleinen Glieder des Körpers bestehen? Gewiß gibt es
Zweige des Verlags, die das Sortiment entbehren können, der Verlag
kann es nicht, wenigstens wie er heute glücklicherweise noch ist.
Zerfiele der deutsche Sortimentsbuchhandel, so würde der Verlag
sich nach und nach in wenige große Unternehmungen zusammenballen.“

Die erste „Buchhändlerische Verkehrsordnung“ wurde
vom Börsenverein im Jahre 1888 aufgestellt, in den Jahren 1891 und
1898 revidiert und in den Hauptversammlungen zu den Ostermessen
1919 und 1923 abgeändert, wobei sie die noch jetzt gültige Fassung
erhielt.
Ihr 8 1, betreffend den Zweck, und $ 2, betreffend die Verbindlichkeit
 der Verkehrsordnung, lauten:
8 1. Die Buchhändlerische Verkehrsordnung regelt den geschäftlichen
 Verkehr der deutschen sowie der mit diesen verkehrenden
ausländischen Buchhändler untereinander. Sie stellt für die darin
reregelten Rechtsverhältnisse die allgemein im Verkehr geltenden
            
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