Full text : Der deutsche Buchhandel

70 ___ VI Die Ausbildung zum Buchhändler.

Kräfte zur Verfügung gestellt, Studienreisen an die „Quellen des
Buchs“ so gewinnbringend wie möglich zu veranstalten.
Die einzelnen Abteilungen stellen Zeugnisse aus, die ‚ihren In-1abern
 die erworbenen und duch Prüfung nachgewiesenen Kenntnisse
ınd Fertigkeiten bestätigen und ihnen das Vorwärtskommen im
Berufe erleichtern. Auf die Frage, ob die Fachschule die praktische
uehre vollständig ersetzen könne, seien die Ausführungen mitgeteilt,
 die hierzu der frühere Vorsitzende des Schulausschusses bei
ler Einweihung des neuen Schulgebäudes (16. Mai 1911) gemacht
sat: „Wir wissen, daß eine Fachschule nie einen fertigen Gehilfen
 oder Disponenten erziehen kann, daß das, was man geschäftlichen
 Blick nennt, sich überhaupt nicht lehren läßt. Die Anstalt
kann denen, die in sich die Fähigkeiten zum Buchhändler oder zum
Kaufmann haben, dazu verhelfen, diese Fähigkeiten leichter, vollständiger,
 vielseitiger zu entwickeln und auszunutzen. Die Lehranstalt
 kann für sich allein nur unfertige Buchhändler heranziehen,
genau wie die Hochschule anderseits nichtfertige Verwaltungsbeamte,
 Richter oder Rechtsanwälte. Zum Kaufmann, Buchhändler,
Richter oder Rechtsanwalt wird man nur durch die Praxis. Wir erstreben
 aber eine Ausbildung, die in der Praxis möglichst leicht und
schnell und vollkommen dazu werden läßt. Das Schwergewicht der
Lehranstalt liegt daher in den Fächern, die nicht bloße Fähigkeiten,
 sondern eine allgemeine Schulung des Geistes bezwecken.
Wir wollen durch unsern Lehrplan eine Brücke schlagen von der
Theorie zu der Praxis und suchen jene durch diese zu befruchten,
Wir erstreben eine theoretische Vertiefung des praktischen Könıens
 des Buchhändlers, eine Weckung des Bildungstriebs, eine Wei-‚ung
 des Blicks, eine Schärfung seiner Beobachtungsgabe, eine allzemeine
 Schulung des selbständigen Denkens.“
Die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt in Leipzig ist die zentrale
Bildungsstätte des deutschen Buchhandels. Unter den 10000 Namen
der deutschen Buchhändler, die durch sie hindurchgegangen sind,
finden sich solche von hervorragendem Klang und von Weltgeltung.
Hamburg, Berlin und Stuttgart sind die Orte, die außer Leipzig
ihren Buchhandlungslehrlingen für die Zeit ihrer Berufsschulpflicht
besondere schulische Einrichtungen zur Verfügung stellen und sie
damit aus dem allgemeinen Rahmen von Berufs- oder auch Handelsschulen
 herausheben, um so den eigenartigen Anforderungen des
3Zerufes besser gerecht werden zu können.
Hamburg richtete auf den Wunsch der dortigen Buchhändler
Ostern 1919 im staatlichen kaufmännischen Berufswesen seine „Fachschule
 für Lehrlinge im Buchhandel“ ein, Sie umfaßt die im Buch-,
Kunst- und Musikalienhandel tätigen männlichen. und weiblichen
Lehrlinge Hamburgs und arbeitet in drei aufsteigenden Jahresstufen
3ach folgender Übersicht der Wochenstunden:
            
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