VI. Die Ausbildung zum Buchhändler. 73
stehen und ihre Ergebnisse sachgemäß beurteilen, wie es unseres
Wissens für eine Gemeinschaft so systematisch noch nicht durchgeführt
worden ist. Der Allgemeine Deutsche Buchhandlungsgehilfen-Verband
aber veranstaltet seit 1925 für seine Mitglieder geschlossene
Buchhändlerwochen. Als ihre Ziele werden Berufsbildung, Erholung
und Geselligkeit bezeichnet, die zur Arbeitsgemeinschaft, Gesinnungsgemeinschaft
und damit zur Volksgemeinschaft führen sollen.
Männer, die im Buchhandel oder in den benachbarten Gewerben Erfahrung
und Ruf haben, werden zu Vorträgen herangezogen, die zusammen
mit den Reizen und Eindrücken einer nicht alltäglichen
Landschaft für eine Woche gemeinsamen Lebens und Denkens die
Grundlage und für die ständige Berufsarbeit erneute Anregung und
Willensstärkung geben.
Von der Seite der eigenen Persönlichkeit her packt der „Jungbuchhandel“
die Frage an. Diese Bewegung ist entstanden aus allgemein
menschlichen Nöten, die in den Zeitverhältnissen des Weltkriegs,
der Inflation, des Gegensatzes zwischen. Alter und Jugend
u. a. lagen, und aus der Not, die sich aus schwierigen Berufsverhältnissen
infolge mangelhafter Ausbildung oder sozialer Gegensätze
innerhalb des Berufes ergab. Sie erfaßte den buchhändlerischen
Beruf als eine Kulturaufgabe. Der Jungbuchhandel erstrebt, ohne
daß dies jederzeit klar zum Ausdruck kam, die Bildung einer freien,
selbstverantwortlichen Persönlichkeit, Entfaltung vollen Menschentums,
Eingliederung des einzelnen in große soziale und kulturelle
Zusammenhänge wie Volk und Heimat, berufliche Vertiefung und
Vervollkommnung, Steigerung des Berufs zum Dienst am Volk. Die
wichtigsten Arbeitsformen sind die „Akademien“, die der Erörterung
großer Probleme und Zusammenhänge, wie z. B. Erwachsenenbildung
und Buchhandel, und gleichzeitig der Gemeinschaftsbildung dienen.
Die „örtlichen Arbeitsgemeinschaften“ und das „Treffen“, die auf
die Lösung kleinerer aktueller Fragen abzielen. Vortrag und Lehre
d. h. Übermittlung von Wissensstoif, werden abgelehnt und durch
die Arbeitsschule und das Rundgespräch ersetzt. Endlich ist die
Arbeit am „Jungbuchhändlerrundbrief“ zu erwähnen, der persönliche
Erlebnisse und Erfahrungen und die aus der Selbstbildung hervorgegangenen
Studien zur Aussprache stellt, über Tagungen und Bildungsveranstaltungen
innerhalb des Jungbuchhandels berichtet und
zur Weiterbildung als Selbstbildung und Bildungsarbeit in Gemeinschaft
mit Pädagogen aus anderen Berufen anregt.!) Unter den Förderern
wären neben Dr. Eugen Diederichs in Jena viele führende
Persönlichkeiten und Stellen im Buchhandel zu nennen.
1) Herausgeber Hans Bott, Karlsruhe, Kriegsstraße 182, Ausgabe durch
Peter Buchgraber, Bühl, Baden.