ja alle eine mehr oder weniger wichtige Aufgabe. Insbesondere
die abseits vom großen Verkehr liegenden Plätze des Nordens,
Leeuwarden, Groningen ‚, bildeten für die landwirt-
schaftliche Produktion jener Gegenden unentbehrliche Verkaufs-
zentren. Die an der Zuiderzee belegenen oder mit ihr in naher
Wasserverbindung stehenden Plätze, Enckhuizen, Har-
lingen, Kampen, Hoorn, Zwolle verloren schon im
17. Jahrhundert stark an Bedeutung; am längsten hielten sich
Enckhuizen und Harlingen durch ihre Fischerei. Dem
Rhein- und Ysselverkehr verdankten Arnhem, Nymwegen,
Zutfen, Deventer ihre Stellung als Märkte und Umschlags-
plätze, während Utrecht infolge seiner mangelhaften Wasser-
verbindung viel von der Bedeutung, die ihm noch im späteren
Mittelalter zukam, verloren hatte; erst im 19. Jahrhundert gewann
es als Eisenbahnknotenpunkt einen Teil der alten Stellung wieder.
Als wichtigste Rheinstadt galt mit Recht Dordrecht; dank
seinem Stapel behauptete es bis Ende des 18. Jahrhunderts seinen
wirtschaftlichen Einfluß. Wahre Industriestädte waren Leiden,
Haarlem, Delit, Gouda und die Zaanlande: In
Seeland aber verstand es Middelburg bis ins 18. Jahrhundert
sich als Mittelpunkt der provinziellen wirtschaftlichen Interessen
zu behaupten. Noch ganz unbedeutend waren die Twentschen Orte
Almeloo, Hengeloo, Enschede usw.; sie sind ‚erst
mit der Industrie des 19. Jahrhunderts aufgeblüht. Dagegen stieg
schon im 18. Jahrhundert Tilburg in Nordbrabant zu einer
für jene Zeiten bedeutenden Industriestadt auf. Bei den meisten
dieser Städte läßt sich aber nach einer Zunahme im 17. Jahrhundert
für das 18. Jahrhundert ein Bevölkerungsrückgang feststellen.
Einige Zahlen mögen die Bewegung der Bevölkerung in den Städten
veranschaulichen:
Amsterdam: 1622: 105000; 1630: 115 000; 1637: 145 9090; 1685:
185 000; 1740: 200 000; 1795: 217 000 Einwohner‘).
Gouda: 1540: ca. 6000; 1750: 20000;/1796: IT 715.
Enkhuizen: 1515: 4500; 1600: ca. 30 000; 1750: 10—11000; 1796: 6803.
1) Diese Zahlen nach Brugmans, Handel en nijverheid, S. 54; Brug-
mans, Opkomst, S. 107; ferner nach Elster im Handwörterb. d. Staatswiss.,
4. Aufl., Bd. II, 681. Nach De Koopman, III, 51 ff. hatte Amsterdam 1730
etwa 190 000: 1736: 166 000; 1741: I4I 000; 1770: 246 800 Einwohner.
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