diesen Gefängnissen, die sich aber nicht um diese Menschen küm-
mern, Die Menschen werden an Leib und Seele gemartert. Nicht
so, daß man die, die das tun, fassen kann; aber die Martern, die den
Leuten bei diesem Strafvollzug zugefügt werden, sind nicht weniger
grausam als in Rumänien. Wenn hier in der Sowjetunion schon
14 Tage Einzelhaft als schwerste Strafe gilt, können Sie sich denken,
wie drei Jahre Einzelhaft auf einen Zuchthausgefangenen, namentlich
auf einen politischen, wirken müssen,
Nun gibt es in der Sowjetunion ebenfalls Leute, die wiederholt
gesessen haben, Die kommen auch häufiger aus dem seelischen
Gleichgewicht, Wie behandelt man hier solche Leute? Ich habe da
in. den Gefängnissen vor allen Dingen gesehen, daß man viel Wert
auf ausreichendes Arztpersonal legt, In einem Gefängnis waren
allein fünf Aerzte. Mein Freund Timpe hat jeden Arzt nach seinen
Spezialkenntnissen gefragt, und ich war sehr ‚erstaunt, zu hören, mit
welcher Sorgfalt man hier den Gefangenen gegenüber verfährt, In
Deutschland kommt häufig auf 1000 Gefangene so ein alter Kreis-
physikus, der vielleicht noch schlechter laufen kann als ich. Und
hier gab es in einem viel kleineren Gefängnis fünf Aerzte.
Aber das ist nicht das wichtigste. Wie wird hier ein renitenter
Gefangener behandelt? Da bekommt er eine Einspritzung, Hilft das
nicht, dann gibt es den sogenannten Beruhigungsgürtel, das ist ein
sehr breiter, zusammengenähter Leinwandstreifen, In diesen Strei-
fen, der vorher naß gemacht wird, wird der renitente Gefangene ein-
gewickelt. Er bekommt also einen „Prißnitzumschlag”. Vielleicht ist
das nicht schön, aber er kann sich doch wenigstens während seiner
Anfälle nicht verletzen,
Bei uns lautet der 8 71 Absatz a der Verordnung:
„Einsperrung in eine Beruhigungszelle bei Wutausbrüchen, die
mit Toben, Schreien oder Zerstörung von Gegenständen verbunden
sind. Die Beruhigungszelle besteht aus einem festen Einzelgelaß
mit unzerbrechlichen Fenstern und glatten Wänden, aus dem alle
Gegenstände, mit denen der Gefangene sich oder anderen Schaden
zufügen könnte, entfernt sind,”
Das hört sich ganz schön an, In Wirklichkeit spielt sich die
Sache so ab: Der Gefangene wird von ungefähr fünf bis sechs kräf-
tigen Wärtern aus der Zelle geholt und unter Gewaltanwendung,
Stoßen ist „verboten”, nach seiner Beruhigungszelle gebracht. Dort
wird er nackt ausgezogen, sogar das Hemd wird ihm genommen, so
daß er nun auf dem Zementfußboden bei Tag und Nacht kampieren
muß. Ein Kübel für die Notdurft ist nicht darin, man sagt, er könne
sich leicht daran verletzen. Im Winter wird meist.auch noch das
Fenster geöffnet, Auch da hat man eine gute Ausrede. Wenn man
fragt: warum öffnen sie das Fenster? Bei dieser Kälte auf dem
Zementfußboden zu Kegen ist doch sehr gefährlich, der Gefangene
muß sich doch eine schwere Krankheit holen, dann wird geantwortet:
Das Fenster müssen wir wegen des Gestanks aufmachen, Sie sehen
doch, daß der Gefangene seine Notdurft in der Ecke verrichtet hat.
Noch bessere Mittel hat man bei Leuten, die aus dem seelischen
Gleichgewicht gekommen sind und sich das Leben nehmen wollen.
Der $ 78 Absatz b der Verordnung behandelt die Fesselung nach
einem Selbstmordversuch:
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