Full text: Bevölkerungslehre

zu verhüten: „Überhaupt tritt diese Meinung der Weisheit eines all- 
gemeinen Planes zu nahe, gleich als hätte sie der Fruchtbarkeit des 
Menschen nicht diejenigen Schranken anzuweisen gewußt, die den 
übrigen Umständen, worein das menschliche Geschlecht versetzt ist, 
angemessen sind *).“ 
Freilich neben denjenigen, welchen im 17. und 18. Jahrhundert 
ein starkes Volkswachstum Voraussetzung und Triebkraft der wirt- 
schaftlichen Entwicklung war und die deswegen die Volkszunahme 
begünstigt sehen wollten, kamen auch schon früh Schriftsteller auf, 
die der Zunahme der Bevölkerung wesentlich pessimistischer 
gegenüberstanden. Von einigen derartigen Äußerungen ist schon 
die Rede gewesen und wir haben hier auch an zahlreichen Bei- 
spielen gesehen, daß die eigentlichen Merkantilisten keine so 
bedingungslosen Anhänger des Volkswachstums waren, wie gemein- 
hin angenommen wird. 
Als einen der ersten, der dem Bevölkerungswachstum gegen- 
über Bedenken äußerte, pflegt man für jene Zeit den italienischen 
Schriftsteller G. Botero zu bezeichnen ?. Er hat die Frage auf- 
geworfen, woher es komme, daß die Zunahme der Bevölkerung in 
den Städten nicht weiter fortschreite, sondern von einem gewissen 
Punkt ab stehen bleibe. Er führt diese Tatsache auf den Mangel 
an Unterhaltsmitteln zurück. Auch die Zunahme des Menschen- 
geschlechts habe aufgehört: „Weil nämlich die Früchte der Erde 
und die Menge der Nahrungsmittel keine größere Anzahl von 
Menschen ernähren können“. Es ist wohl kein Zufall, daß solche 
Ansichten zuerst in Italien aufgekommen sind. Hat doch schon 
Strabo gesagt, daß Italien das Land der Städte sei und mußte 
sich doch — wie wir oben gesehen haben — bei den schlechten 
Verkehrsverhältnissen dieser Zeit die Lebensmittelversorgung der 
Städte recht schwierig gestalten. Botero hat bald in den ver- 
schiedensten Ländern Nachfolger gefunden. In England waren das 
besonders W. Raleigh (1552—1618)®, M. Hale (1609—1676) *) 
und J. Child (1630—1606)°). In Italien sind bald nach Botero 
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Erster geschichtlicher Teil 
N Sonnenfels, Ges. Schriften, Bd. 10, 1787, S. 415. 
2) G. Botero, Delle cause della grandezza e magnificenza della citta, Venedig 
1589. Z. T. übers. bei Diehl-Mombert, „Auspgew, Lesestücke‘“, Bd. 6, „Be- 
völkerungslehre‘‘, 2. Aufl., 1920, 
9) The history of the world, 1614. 
*) The primitive origination of Mankind, London 1677. 
5) A new discourse of trade, 1696. — Vgl. zu diesen Vorläufern von Malthus 
vor allem Elster, a. a. O., Gonnard, Histoire des doctrines de 1a population,
	        
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