Full text : Der Zirkulationsprozess des Kapitals (2.1926)

Zehntes Kapitel .

165

Bei Smith figuriert in Nr. 3 das Rohmaterial (Rohstoff, Halbfabrikate,
 Hilfsstoff) einerseits nicht als ein schon dem produktiven
Kapital einverleibter Bestandteil, sondern in der Tat nur als eine besondere
 Sorte der Gebrauchswerte, aus denen das gesellschaftliche
Produkt überhaupt besteht, der Warenmasse, neben den sub 2 und 4
aufgezählten andern stofflichen Bestandteilen, Lebensmitteln etc.
Anderseits werden sie allerdings als dem produktiven Kapital einverleibt
 und daher auch als Elemente desselben in der Hand des
Produzenten aufgeführt. Die Konfusion zeigt sich darin, daß sie teils
als in den Händen des Produzenten fungierend äaufgefaßt werden,
in der Hand der Landwirte, der Fabrikanten usw. (in the hands of
the growers, the manufacturers ete.), anderseits als in den Händen
von Kaufleuten, Krämern, Tuchhändlern, Holzhändlern (mercers, drapers,
 timber-merchants), wo sie bloßes Warenkapital, nicht Bestandteile
 des produktiven Kapitals.
In der Tat vergißt A. Smith hier in der Aufzählung der Elemente
des zirkulierenden Kapitals ganz den nur in Bezug auf das produktive
 Kapital gültigen Unterschied von fixem und flüssigem Kapital.
Er stellt vielmehr Warenkapital und Geldkapital, das beißt die beiden
dem Zirkulationsprozesse angehörigen Formen des Kapitals, dem
produktiven Kapital gegenüber, aber auch dies nur bewußtlos.
Auffallend ist endlich, daß A. Smith bei Aufzählung der Bestandteile
 des zirkulierenden Kapitals die Arbeitskraft vergißt. Und zwar
geschieht dies aus doppeltem Grund.
. Man hat eben gesehen, daß abgesehen vom Geldkapital das
zirkulierende Kapital nur ein anderer Name für das Warenkapital
ist. Aber soweit die Arbeitskraft auf dem Markt zirkuliert, ist sie
nicht Kapital, keine Form .des Warenkapitals. Sie ist überhaupt
nicht Kapital; der Arbeiter ist kein Kapitalist, obgleich er eine Ware
auf den Markt bringt, nämlich seine eigene Haut. Erst sobald die
Arbeitskraft verkauft, dem Produktionsprozeß einverleibt ist — also
nachdem sie aufgehört hat, als Ware zu zirkulieren— wird sie Bestandteil
 des produktiven Kapitals: variables Kapital als Quelle des Mehrwerts,
 flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals in bezug auf
den Umschlag des in ihr ausgelegten. Kapitalwerts. Da Smith hier
das flüssige Kapital mit Warenkapital verwechselt, kann er die Arbeitskraft
 nicht unterbringen unter seine Rubrik des zirkulierenden
Kapitals. Das variable Kapital tritt daher hier auf in der Form der
Waren, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, der Lebensmittel.
In dieser Form soll der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalwert zum
zirkulierenden Kapital gehören. Was dem Produktionsprozeß einverleibt
 wird, ist die Arbeitskraft, der Arbeiter selbst, nicht die Lebensmittel,
 wodurch sich der Arbeiter erhält. Allerdings haben wir
gesehen (Buch I, Kapitel XXI), daß, gesellschaftlich betrachtet, auch
die Reproduktion des Arbeiters selbst durch seinen individuellen
Konsum zum Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen Kapitals
gehört. Aber dies gilt nicht für den einzelnen in sich abgeschlossenen
            
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