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Carolus Bovillus.
ihm dauernd verblieben ist, ist hierdurch bereits bezeichnet; denn
während er auf der einen Seite an der Aristotelischen Auffassung
des Intellekts festhält und sie seiner Erkenntnislehre zugrunde
legt, sucht er andrerseits die herkömmliche Logik durch das
tiefere Prinzip der „Coincidenz der Gegensätze“ zu ergänzen und
zu befruchten. Als das Ziel der wahren Denklehre gilt ihm eine
„Ars oppositorum“, die die Beziehung der gegensätzlichen Momente,
ihr Verhältnis und ihr schliessliches Zusammenfallen zur
Darstellung bringen soll. Alle Widersprüche, die die Natur der
Dinge uns darzubieten scheint, müssen zuletzt aus einem ursprünglichen
und einheitlichen Akt der Entgegensetzung abgeleitet
werden, den es in unserem Geiste zu entdecken und festzustellen
gilt. Nicht die an sich bestehenden Gegenstände, sondern
die Bilder und „Spezies“ in unserem Verstande sind es, bei
denen von wahrhafter Gegensätzlichkeit gesprochen werden kann.
Hier aber erweist sich der Widerstreit alsbald als ein nicht
lediglich verneinendes und aufhebendes Prinzip, sondern als ein
selbständiger Keim und unentbehrlicher Anfang. Der Begriff des
Nichts, der seinem Seinsgehalt nach das Unfruchtbarste ist, wird
zum fruchtbarsten Ursprung, wenn man ihn seinem Erkenntnisgehalt
nach betrachtet. Denn da das Denken bei ihm, als einem
schlechthin Einzelnen nicht stehen zu bleiben vermag, da es das
„Nichts“ stets nur in der Absonderung und Unterscheidung von
„Etwas“ aufzufassen vermag, so wird es von hier aus zu immer
neuen Setzungen gedrängt und in eine fortdauernde Bewegung
hineingezogen, die erst im Gedanken des allumfassenden, abso-Iuten
Seins ihr Ziel und ihren Ruhepunkt findet.®) So sehen
wir, wie das neue Motiv, das wir im Begriff der „docta ignorantia“
erkannten, hier weiterwirkt: das Sein des echten Begriffes wird
in seinem Werden, in den intellektuellen Betätigungen und
Operationen, die er voraussetzt, gegründet. Und wie hier Merkmale
und Verhältnisse, die wir der äusseren Wirklichkeit zuzusprechen
gewohnt sind, auf Bestimmungen des Denkens zurückgeleitet
werden, so ruht allgemein die Naturauffassung und -erklärung
auf der durchgehenden Uebereinstimmung, die zwischen
Ich und Welt angenommen wird. Der Satz der Identität von
Mikrokosmos und Makrokosmos, der von Cusanus nur gestreift
wird, erhält hier zuerst die bestimmtere Gestalt und Prägung, in