Object: Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung

zu jener wahnsinnigen Leidenschaft bei, womit der entsetzliche 
Strassenkampf des Junius gekämpft wurde. Das Schicksal der 
Nationalwerkstätten war aber bereits besiegelt !). Am 24. Juni 
beantragte Falloux in der Nationalversammlung ihre Auflösung 
und am 4. Juli erschien im „Moniteur“ das Dekret Cavaignac’s, 
das die Nationalwerkstätten unterdrückte *). 
Damit ist die Geschichte dieser Einrichtung in ihren ent- 
scheidenden Phasen unparteiisch dargestellt und es bleibt nun 
noch eine Frage zu erörtern: Waren die Nationalwerkstätten 
ein ernstgemeinter Versuch zur Verwirklichung des Rechts auf 
unqualificirte Arbeit?) oder waren sie ein Scheinexperiment, 
dazu bestimmt, das Recht auf Arbeit ad absurdum zu führen? 
Emile Thomas vertritt die zweite Ansicht, und eine unpar- 
teiische Prüfung der Sachlage muss ihm Recht geben. Die 
Regierung stand der ganzen Einrichtung von Anfang an ziem- 
lich lau gegenüber, ja sie hungerte die Nationalwerkstätten 
förmlich aus, indem sie all.den dringenden. Bitten Thomas’ um 
Anweisung öffentlicher Arbeiten einen passiven Widerstand 
antgegensetzte *). Eine Organisation er öffentlichen Arbeiten 
ordnende Dekret am 21. Juni im Moniteur erschienen ist. Diese Angabe 
ist unrichtig. Weder am 21. Juni noch an einem andern Tage Iindet 
sich das Dekret im Moniteur. Diese immerhin auffallende Thatsache dürfte 
in der Weise zu erklären sein, dass die Regierung, um nicht die unzufriedenen 
Arbeitermassen noch mehr zu reizen, die Veröffentlichung des Dekretes im 
Moniteur unterdrückte. 
1) Vgl. Garnier-Pages a. a. O0. Bd. 10 p. 420 ff. 
2) Moniteur v. 4, Juli 1848 No. 186. ‚es ateliers nationaux du departe- 
ment de la Seine sont supprim&s.“ 
3) Thomas errichtete übrigens auch zur Befriedigung der Bedürfnisse 
ler in den Ateliers nationaux beschäftigten Arbeiter einige fachliche National- 
werkstätten — ateliers speciaux — der Schuster, Schneider und Stell- 
macher, „les seuls, qui avalent des resultats convenables, parce quils 6taient 
aussi les seuls, qui fussent bas6&s sur le principe du travail professionel, re- 
spectif pour tous les ouvriers,.“ Thomas a. a. 0. p. 234. 
4) Es ist bemerkenswert, dass der Moniteur, der sonst alle Thaten der 
provis, Regierung mit der grössten Gewissenhaftigkeit verzeichnete, von den 
Nationalwerkstätten nur äusserst selten Notiz nimmt. Vgl. Emil "Thomas 
a a. O. p. 87. „Cependant les travaux n’arrivaient pas; chaque jour, 
’allais au ministere; chaque jour j’en revenais avcc cette desolante reponse: les 
\ngenieurs n’ont encore rien apporte, Am 15. März drohte Thomas mit der 
Demission, falls man den Nationalwerkstätten keine Arbeit zuteilen würde. 
Darauf wies der Minister Marie die Staatsingenieure an, ein Pappe über die 
auszuführenden öffentlichen Arbeiten und die Zahl der dabei zu beschäftigen- 
len Arbeiter auszuarbeiten. (Thomas a. a. O. P- 88 u. 233.) Allcin auch dieser 
Auftrag blieb ohne Erfolg. Besonders bezeichnend ist die folgende Ausserung 
les Ministers Marie bei hommes a. a. ©. p. 142: „M. Marie me dit, que 
V’intention bien arrötee du gouvernement avait 6t6 de laisser S’accomplir cette 
axpedienece; qu'en elle möme elle ne pouvait avoir que de eux-mömes tout 
le vide, et toute la fausset6 de ces th6ories inapplicables et leur ferait aper- 
sevoir les consequeneces dösastreuses awelles entrainersient pour eux mömes.
	        
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