Object: Leistung und Wert

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namentlich sollten die berüchtigten Assignaten, die Frankreich im 
Jahre 1790 in Verkehr brachte, abschreckend wirken. 1796 wurden 
sie zu */so, später zu */0o ihres Nennwertes gegen ein anderes Papier- 
geld, die sogenannten Mandate, umgetauscht, welche selbst in we- 
nigen Monaten auf kaum 3 % ihres Nennwertes zurückgingen. Als 
1797 der Zwangskurs aufgehoben wurde und die öffentlichen Kassen 
die Mandate zum Tageskurs annahmen, stand der letztere auf "/w % 
des Nennwerts. Die Assignaten zerrütteten die Finanzen des Staates 
und zerstörten den Wohlstand zahlreicher Familien. Für Deutsch- 
land hätte dies ein warnendes Memento sein müssen, um so mehr, 
als es nicht, wie Frankreich damals, durch kriegerische Erfolge eine 
Besserung seiner Finanzen erwarten konnte, sondern im Gegenteil 
durch den unglücklichen Ausgang des Weltkrieges der Auflage einer 
schweren Kriegsentschädigung entgegensah. Das Deutsche Reich 
hätte also von vornherein den Weg einschlagen müssen, der für eine 
geordnete Staatswirtschaft der einzig gegebene ist, nämlich durch 
Beiträge seiner Angehörigen, einmalige und laufende, die auf die 
Einzelnen je nach Tragfähigkeit hätten verteilt werden müssen, die 
Mittel zur Bestreitung seiner öffentlichen Ausgaben zu beschaffen. 
Zu keiner Zeit, wenn man von dem ersten halben oder ganzen Jahr 
nach Kriegsende absieht, wäre dies unmöglich gewesen. Aber man 
schlug die Erfahrung in den Wind; man wollte die Assignatenwirt- 
schaft übertreffen und hatte hierin wenigstens einen vollen Erfolg. 
Jeder einzelne der Staatslenker, die in bunter Reihe auf einander 
folgten, sprach mit Ludwig XV.: Nach mir die Sündflut! Es war ia 
so überaus bequem, die Notenpresse in Bewegung zu halten, Wie 
viele Leute zogen nicht allein aus der Herstellung der Noten ihre 
Nahrung! Man brauchte nicht ängstlich zu fragen: Sind die und die 
Beamten nicht zu entbehren; ist die und die Ausgabe auch dringend 
notwendig? Alle, die sich zur Staatskrippe drängten, wurden ange- 
nommen; die Besoldungen und andere Ausgaben aus der unerschöpf- 
lich scheinenden Quelle bestritten. Man zerbrach sich nicht den Kopf 
über neue Steuern; man hätte sie ja dem Widerstreit der Meinungen 
und Interessen abringen müssen. Die Sozialdemokratie, die bis 1920 
am Ruder war, enttäuschte vollständig; die bürgerlichen Parteien 
verstanden erst recht nicht, den wirtschaftlichen Gesetzen Geltung 
zu verschaffen. Verordnungen gegen die Kapitalilucht bestraften 
sogar die Vernunft, die sich darin äußerte, daß man das Geld, um es 
vor der Vernichtung zu retten, in Auslandswerte umsetzte. Aber im 
Herbst 1923 ging es nicht mehr weiter. Zu dieser Zeit war der Wert 
der Papiermark auf den billionsten Teil der Friedensmark gesunken. 
Der Verwaltungsbericht der Reichsbank für 1923 beziffert die Her- 
stellungskosten der Banknoten in diesem Jahre auf 32 Trillionen 
776,899 Billionen Papiermark bei einer Gesamteinnahme von 63 Tril- 
lionen 780,223 Billionen Papiermark! Die Wucht der Tatsachen ver- 
einigte sich mit der Entschlußkraft einiger tüchtiger Männer: Die 
Notenpresse wurde still gelegt; der Bevölkerung wurden Steuern in 
einer solchen Höhe auferlegt, daß sie sehr bald Überschüsse lie-
	        
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