denen mehr oder weniger kleinlichen Kränkungen bis zur völligen
Extermination einer solchen Minorität.
Praktisch beschränkt sich unser Arbeitsfeld auf die Länder der
weißen Rasse, Es gibt da kein einziges Land ohne Minorität im
breiteren Sinne des Wortes,
Ein buntscheckiges Gemenge von allen möglichen Völkersplittern
ist Amerika, besonders die USA, Diese kleinen Gruppen unterlagen
schon vor dem Kriege ohne Gewalt und ohne absichtliche Denationa-
lisierung automatisch der Amerikanisierung, deren Tempo allerdings
nach der Widerstandskraft und Zähigkeit einer jeden Gruppe ver-
schieden war. Dieser Tendenz hat wieder entgegengewirkt, daß sich
die Angehörigen einer und derselben Nation in kompakten Massen
niederließen, sowie auch der beständige Strom neuer Emigranten.
Allerdings fällt schon in den Rahmen unserer Betrachtungen die
amerikanische Negerfrage und die Frage der gelben Rasse. Die
Neger, die zu Tausenden in allen größeren Städten, meistens auch in
besonderen Vierteln wohnen, sind zwar nicht durch Gesetz, wohl aber
durch Vorurteile der Weißen, besonders in den südlichen Staaten der
Union, praktisch der Gleichberechtigung beraubt, Sie können mit
Weißen nicht an einem Tisch sitzen, dürfen nicht denselben Wagen
oder öffentlichen Raum benutzen usw. Für Chinesen und Japaner
gilt außerdem in den westlichen Staaten das Einwanderungsverbot.
Es gibt aber sehr wichtige ‚Minoritätsprobleme im westlichen
Europa, die deshalb schon von besonderer Bedeutung sind, weil sie
für den revolutionären Klassenkampf eine Bedeutung haben, wenn
auch nicht die, die den Minoritäten in Süd- und Mitteleuropa zu-
kommt. Diese westeuropäischen Minoritäten sind meistens zu inner-
staatlichen Fragen geworden, wo gegebenenfalls die Frage der Auto-
nomie eine Rolle spielt. Mehr Interesse wird man aber denjenigen
Minoritäten zuwenden müssen, die im Zusammenhang mit den
kolonialen Bewegungen eine große Rolle spielen können, Das gilt
einmal für die Vlamen in Belgien und zum anderen für die Irländer.
Es ist selbstverständlich, daß die These, welche die vollkommene
Freiheit der Selbstbestimmung von Minoritäten bis zur vollständigen
Frennung fordert, auch hier überall ihre volle Geltung und Wichtig-
eit hat,
Es kann bereits hier die Frage erörtert werden, warum wir uns
in diesem Kreise mit den nationalen Minderheiten befassen. Es
könnte zum Beispiel die Frage gestellt werden: wenn die IRH eine
überparteiliche Hilfsorganisation im Befreiungsringen des Proletariats
ist, hätte sie dann nicht eher ein Desinteressement an diesen natio-
nalen Minderheiten? Und könnte nicht die. Gefahr entstehen, daß
wir dem Nationalismus in die Hände arbeiten? Ich glaube aber fest-
stellen zu dürfen, daß wir in der Unterdrückung der nationalen Min-
derheiten nur einen Teil der verschärften Klassenunterdrückung er-
blicken, zumal diese Unterdrückung der nationalen Minderheiten sich
vor allen Dingen im Lager der proletarischen Klasse am stärksten
auswirkt. Der Proletarier wird am meisten betroffen, wenn für seine
Minorität keine Schulen da sind, wenn er sich nicht in seiner Sprache
an die Behörden wenden kann, wenn ihm die politischen und sonsti-
gen Rechte geschmälert, wenn nicht ganz genommen werden, wenn
ihm größere Steuerlasten aufgezwungen werden, wenn er kurzum der
Gleichstellung mit den Zugehörigen der herrschenden Nation beraubt