Object: Grundzüge der Theorie der Statistik

Nun kann man meistens nicht eine einzelne Ursache aussondern, 
um die Wirkung derselben zu erforschen. Je gründlicher man die 
Sache untersucht, desto mehr Ursachen kommen zum Vorschein, bis 
sich unter dem Mikroskop des Forschers eine fast unübersehbare 
Zahl gegen- und miteinander wirkender Kräfte enthüllt. 
Daß es unter diesen Bedingungen in sehr vielen Fällen dennoch 
möglich ist, zu einer Erkenntnis vorzudringen, ist allerdings der 
ganz besonderen Form, in der die Statistik ihre Resultate gibt und 
der Tatsache, daß diese Ergebnisse nur unter gewissen Bedingungen 
erreicht werden können, zu verdanken, Die Untersuchung solcher 
Bedingungen wird weiter unten unsere Aufgabe sein. 
Diese Tatsache ist bei näherer Erwägung nicht so merkwürdig, 
wie es im ersten Augenblick scheinen könnte. Würde man beispiels- 
weise eine Betrachtung darüber anstellen, wieviel Feuchtigkeit wäh- 
rend eines Regenschauers einem Acker zugeführt wird, dann steht 
oder fällt eine solche Betrachtung nicht mit der Möglichkeit, Ort 
und Zeit der Bildung jedes einzelnen Regentropfens in jeder auf- 
tauchenden Wolke vorausberechnen und in allen Einzelheiten Wasser- 
menge und Bahn und damit Zeit und Ort des Einschlags der ein- 
zelnen Tropfen feststellen zu können. Um dieses zu erkennen, genügt 
es, alltägliche statistische Erfahrungen, wie man sie beim Glücks- 
spiel machen kann, ins Auge zu fassen. 
4. Bei jedem geordneten Glücksspiele, bei Lotterien, Würfel- 
spielen usw. ist offenbar alles zunächst so zurechtgelegt, daß die die 
Ergebnisse jedes Spieles bestimmenden Ursachen, jedenfalls anscheinend, 
von Spiel zu Spiel genau dieselben sind. Und dennoch wechseln die 
Ergebnisse auf eine Art und Weise, die sich durchaus nicht vorher- 
sagen läßt. Stellen wir uns einen Beutel mit Kugeln vor, die Hälfte 
der Kugeln von weißer, die übrigen von roter Farbe; die Kugeln 
sind von derselben Größe, von demselben Holz, demselben Gewicht, 
kurz und gut, völlig gleich. Man entnimmt nun dem Beutel eine 
Kugel, notiert die Farbe und wirft die Kugel in den Beutel zurück. 
Diesen Versuch wiederholt man mehrere Male, wobei man vor jeder 
neuen Ziehung den Beutel stets gut schüttelt. Anscheinend wird eine 
jede Kugel denselben Kräften ausgesetzt. Will man jedoch den Glauben 
an die unbedingte Gültigkeit des Kausalitätsgesetzes bewahren, gleich- 
zeitig jedoch die Möglichkeit, nur eine und stets nur eine Kugel dem 
Beutel zu entnehmen, erkennen, dann muß man — wenn es sich 
nicht etwa unmittelbar feststellen läßt — annehmen, daß die Kugeln 
trotz aller Bemühungen dennoch bei keinem der Versuche genau
	        
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