fullscreen: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Von anderer Seite war auch noch angeregt worden, die Wahlvereine 
durch eine größere Anzahl von Bezirksvereinen zu ersetzen. 
Beide Vorschläge erschienen bei näherer Prüfung untauglich. Im 
Organisationsstatut der Partei find die Reichstagswahlkreise als Organi 
sationseinheiten (z. B. für die Beschickung der Parteikongresse und die 
Wahl der Vertrauensmänner) festgehalten worden; auch bilden die 
Wahlen zum Reichstag und die Vorbereitung dazu eine der wichtigsten 
Aufgaben der Parteiorganisationen." 
Alle diese Gründe machten es wünschenswert, daß die Parteigenossen 
in den Wahlkreisen „durch eine einheitliche und umfassende Organisation 
an ein dauerndes Zusammenarbeiten gewöhnt werden". Nachdem hierüber 
grundsätzliches Einverständnis erzielt war, hätten die Unterzeichner das Probe 
statut ausgearbeitet, das nun in seinen Einzelheiten entwickelt und erläutert 
wird. Nicht durchgängig, aber doch in der Hauptsache wurden die Vor 
schläge alsdann auch im Wahlverein des vierten Wahlkreises verwirklicht. 
Der Verein beschloß im Jahre 1894 eine Statutenänderung, und im 
Paragraph 4 des neuen Statuts finden wir die Viertelseinteilung gerade 
so beschrieben, wie sie der Entwurf vorgesehen hatte. Ebenso verhielt es 
sich hinsichtlich der Bezirksführer. Dagegen wird der Vorstand des Wahl 
vereins, statt von 6 auf 11, wie es im Entwurf vorgeschlagen war, nur 
von 6 auf 8 Mitglieder erweitert. Ein Beisitzer pro Viertel schien zu 
genügen. 
Ehe indes dies neue Statut sich längere Zeit erproben konnte, ward 
es durch „höhere Gewalt" wieder außer Kraft gesetzt. In den andem 
Wahlkreisen hatte man von Abänderung der Statuten Abstand genommen 
und nur das Bezirksführersystem gemäß den entwickelten Vorschlägen stärker 
ausgebildet. Darüber indes weiter unten. 
Wie sich nun die sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins in bezug 
auf Mitgliederzahl und Einnahmen und Ausgaben entwickelten, läßt sich für 
die ersten fünf Jahre nach dem Fall des Sozialistengesetzes rechnerisch 
genau nicht mehr zusammenstellen. Das Material dafür ist seinerzeit 
unter der Wirkung des Polizeistreichs des Ministers v. Köller gegen die 
Sozialdemokratie teils sofort und teils nachträglich beseitigt worden. Aus 
den Berichten, die zu jener Zeit im „Vorwärts" über die Generalversamm 
lungen der Vereine erschienen, ist es nur unvollkommen zu ermitteln, die 
Zahlenangaben sind oft sehr widerspruchsvoll, den Berichterstattern liefen 
bei Notierung der in den Versammlungen verlesenen Zahlen arge Ver 
wechselungen unter. Auch die Abrechnungen des Parteivorstandes der 
deutschen Sozialdemokratie über die von den einzelnen Orten an ihn ab 
geführten Beiträge lassen eine sichere Schlußfolgerung auf die Entwickelung 
der Wahlvereine und Parteimitgliedschaften Berlins nicht zu. Diese Ab 
rechnungen sind überhaupt erst vom Jahre 1893 den gedruckten Berichten 
an die Parteitage einverleibt worden. 
Sie zeigen für die drei Jahre vor dem Köllerschen Polizeistreich 
folgendes Bild. Von Berlin gelangten an den Parteivorstand: 
Mk. Mk. 
Vom 1. Oktober 1892 bis 30. September 1893 . . 37 281 23 353 
„ 1. „ 1893 „ 30. „ 1894. . 24 820 6 017 
1. „ 1894 „ 31. August 1895. . 36 024 12267
	        
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