sprochen, daß er am 7. bzw. 9. Tage eines großen Glückes teil-
haftig würde.
Auch gegen diese Unsitte ist von Seiten der Geistlichkeit
energisch eingeschritten worden. H
c) Mehr noch, als die eben geschilderte Form des Aber-
glaubens, blühte während des Krieges eine andere, nämlich das
Kartenlegen und Wahrsagen.
Die angewandten Methoden sind verschiedener Art: Es
wurde aus den Karten in der üblichen, z. B. in dem „Hand-
buch für Untersuchungsrichter“ von Groß beschriebenen Form ge-
weissagt, ferner wurden die Linien in der Hand benutzt, außer-
dem der Kaffeesatz, den Urin und die Traumdeutung.
Mehr noch) als im Frieden nahm der Betrieb bei gesuchten
Wahrsagern die Form einer richtigen Sprechstunde an. Einzelne
solcher Wahrsager und Kartenleger hatten im Laufe des Tages
eine Klientel von 50 Leuten und mehr, gleichgültig ob das Wahr-
sagen behördlich verboten war oder nicht.
Bemerkenswert ist dabei, daß sich unter diesen viele Soldaten
und Kriegerfrauen befanden, und daß die Zahl der lediglich Neu-
gierigen ganz erheblich gegen früher abgenommen hatte. Es gab
bei den Wahrsagern geradezu ständige Kunden, namentlich unter
den Kriegerfrauen, die nach jedem Briefe des Mannes aus dem
Felde oder wenn solche Briefe ausblieben, zur Wahrsagerin
gingen, um über das Befinden des Kriegers Auskunft zu be-
kommen.
Nicht selten geschah es auch, daß die Kriegerfrauen den
fehlenden Rat des Mannes bei wichtigen Entschlüssen von der
Kartenlegerin einholten oder die Mitteilung wichtiger Familien-
begebenheiten an den im Felde weilenden Mann von dem
Orakel der Wahrsagerin abhängig machten.
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