ein solches Gebet vom Himmel gefallen sein. Es wurde dann in
einem Kloster mit goldenen Lettern aufgezeichnet. Demjenigen,
der es schriftlich oder gedruckt bei sich trug, sollte es Schutz vor
allerlei Gefahren bieten.
Nach einer anderen Lesart soll das Gebet Karl dem Großen
von einem Engel vom Himmel heruntergebracht worden sein.
Als der Krieg ausbrach, da wurden diese alten Gebete den
ausziehenden Soldaten zum Schutz ins Feld mitgegeben.
Wie wenig sie nützten, zeigt z. B. ein altes vergilbtes Blatt
aus der Sammlung des Verfassers. Es wurde einem Geistlichen
aus dem Schützengraben zugesandt, nachdem sein Besitzer ge-
fallen war.
Dieser in einzelnen Familien gläubig gepflegten Sitte be-
mächtigte sich sehr bald nach Kriegsbeginn die Industrie. Ein-
zelne Drucker brachten die Gebete massenhaft auf den Markt,
priesen sie in marktschreierischer Weise an und machten damit
glänzende Geschäfte. Selbsstverständlich hat der größte Teil dieser
Drucker an die Wunderwirkung nicht geglaubt.
Der Geschäftsbetrieb nahm einen solchen Umfang an, daß
die geistlichen Behörden einschreiten mußten.
b) Die gleichen Gebete sind auch in Form der sogenannten
K ettenbriefe im Lande verbreitet worden. Der Grund-
gedanke ist dabei folgender :
Jeder, der einen solchen Gebetbrief anonym oder mit
Namensnennung erhält, ist verpflichtet, ihn sieben-, nach einer
anderen Lesart neunmal abzuschreiben und an Bekannte und Ver-
wandte weiterzugeben. Wer das unterläßt, macht sich eines
schlimmen Vergehens schuldig, weil er die „Gebetkette unter-
bricht“. Wer der Aufforderung richtig nachkommt, dem wird ver-