thumbs: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

272 Die Entstehung der exakten Wissenschaft. — Kepler. 
iicher Bedeutung und Notwendigkeit.®) Wie man sieht, ist es 
eine methodische Erwägung, die Kepler zu diesem Ziele hin- 
‚eitet: die Ermittlung der mathematischen Abhängigkeit, 
die zwischen den Entfernungen und den Geschwindigkeiten der 
ainzelnen Planeten besteht, entscheidet darüber, dass die be- 
wegende Ursache als ein physisches Sein anzusehen ist. Nicht 
als Körper im eigentlichen Wortsinne, nicht als Stoff soll sie 
gedacht werden, wohl aber ist sie ihrem ganzen Sein und ihrer 
ganzen Bedeutung nach auf die Körperwelt bezogen und mit 
ihr unter ein und derselben umfassenden Gesetzlichkeit ent- 
halten.) Zur „Natur“ — im neuen Sinne dieses Wortes — ge- 
hören nur solche Prozesse, die durch eine feste Regel der 
Grössenbeziehung mit einander verknüpft und einander 
wechselseitig zugeordnet sind: der Funktionsbegriff ist es, 
der den Inhalt des Körperbegriffs, wie des Naturbegriffs abgrenzt 
und bestimmt. 
Bis ins Einzelne hinein wird dieser allgemeine Grundgedanke 
durch die Ableitung bestätigt, durch die, in der Schrift über die 
Marsbewegung, die beiden ersten Keplerschen Gesetze gewonnen 
werden. In strenger und genauer Fügung, wie in einem schul- 
mässigen Syllogismus, schliessen sich hier die einzelnen Glieder 
der begrifflichen Entwickelung aneinander. Vorausgeschickt 
wird das allgemeine „Axiom“, dass zwei Vorgänge, die sich in 
all ihren Einzelphasen entsprechen und die gegenseitig in ihren 
„Dimensionen“ und Grössenbestimmungen übereinkommen, sich 
antweder direkt wie Ursache und Wirkung verhalten, oder ab- 
geleitete Folgen ein und derselben, weiter zurückliegenden Ursache 
sein müssen. Da die Voraussetzung nun für das Verhältnis 
zwischen der Geschwindigkeit des Mars und seinem Abstand 
von der Sonne zutrifft, so bleibt nur eine dreifache, logische 
Möglichkeit: es kann einmal die vergrösserte Entfernung vom 
Zentrum die Ursache der verlangsamten Bewegung, oder umge- 
xehrt die Verzögerung der Bewegung die Ursache des vermehrten 
Abstandes sein, schliesslich aber beides in einem gemeinsamen 
Grunde seine Erklärung finden. Nachdem weiterhin die beiden 
letzten Fälle durch Erwägungen logischer und physikalischer 
Art von Kepler ausgeschlossen worden sind, bleibt nur der erste 
Weg offen: es gilt, eine Vermittlung zu finden. vermöge deren
	        
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