getretenen Verluste, die naturgemäß in Ostpreußen ebenfalls größer sind als in
den meisten anderen Gebieten des Reichs. 44
Die geringe Zahl der eis- und frostfreien Tage hat ferner in Ostpreußen eine
starke Zusammendrängung: der Feldarbeiten zur Folge. Auf Grund jahrelanger
meteorologischer Untersuchungen berechnet die Landwirtschaftskammer für die
Provinz Ostpreußen die Zahl der zu Feldarbeiten verfügbaren Arbeitstage wie folet:
Reich (je nach der
Ostpreußen klimatischen Lage)
Dauer der Sommerzeit im
weiteren Sinne ... . 16. April bis 20. Oktober 1. März bis 15. Novembeı
; 25. „ =» 31. Oktober
Zahl der Arbeitstage. . 150 ; 177—2920
Diese Verhältnisse erfordern naturgemäß einen überdurchschnittlichen Einsatz
von menschlichen und tierischen Arbeitskräften und von Maschinen. Wie sich diese
Mehrbelastung z.B. bei der Pferdehaltung auswirkt, zeigt folgende Berechnung
der Landwirtschaftskammer Königsberg: Nach der Viehzählung vom 1. Dezember
1927 entfielen auf‘ 100 ha Ackerland Pferde von über 3 Jahren im Deutschen
Reich 15,.in Preußen 16, in Brandenburg 15, in Pommern, Niederschlesien und
Sachsen 14, dagegen in Ostpreußen 20. Dabei:ist allerdings‘ zu berücksichtigen.
daß Ostpreußen ein Zuchtgebiet ist.
Der harte und lange Winter erfordert ferner in Ostpreußen umfangreichere,
massivere und daher kostspieligere Bauten als in einem milderen Klima. : Daher
sind das Gebäudeinventar und die Aufwendungen für die Instandhaltung der Ge-
bäude in Ostpreußen verhältnismäßig hoch. ;
Die Temperaturverhältnisse haben weiter einen erheblichen Einfluß auf die
Ausnutzung der in den künstlichen Düngemitteln enthaltenen Nährstoffe, die nach
langjährigen Versuchen in Ostpreußen um 20—25 % geringer ist als im Reichs-
durchschnitt. Außerdem bindet die kurze Vegetationsperiode den Landwirt mehr
als in anderen Gegenden an bestimmte wenige Kulturpflanzen und gestattet ihm
nur in sehr beschränktem Maße, günstige Konjunkturen auszunutzen.
Auch hinsichtlich der Niederschläge liegen die Verhältnisse in Ost-
preußen ungünstig. Mit einer durchschnittlichen Niederschlagehöhe von 608 mm
im Jahre steht Ostpreußen zwischen Mitteldeutschland (540 mm) und Nordwest-
deutschland (740 mm), und zwar beträgt die Niederschlagsmenge für 3% des Ge-
samtgebiets der Provinz zwischen 550 und 650 mm. Entscheidend ist aber nicht
die Gesamtjahresmenge, sondern ihre monatliche Verteilung.
Monatliche Niederschläge in Prozenten der Jahresmenge
Jan, | Febr. | März | April | Mai | Juni | Juli | Aug, | Sept. | Okt. | Nov. | Dez.
Istpreußen
Alaußten |
bei Lyck). |] 5,5 | 5,3 | 5,6.
Mittel-
deutsch-
land . . . .
(Torgau) .| 6,9 | 56 | 76 | 611 96 | 102 | 1481 10.01 87
Nordwest-
deutsch- | ) ; |
‚and(Kleve) | 7,9 | 65 | 79 | 5.7 | 72 | 82|105| 1041 79 ! 94 | 85 |104
70