Straßennetz 1913 (nach den Grenzen von 1920)
in 1000 km.
Preußen. . . ..
Ostpreußen. . .
a
Kunst- Sonstige ausge- Ausgebaute
Straßen baute öffentliche nicht-öffentliche
Straßen Straßen
101,4 37,4 0,5 139,3.
7,4 2,2 — 9,6
(7,3 %) (5,9 %) _ (6,8 %)
4)
Summe 1—3
Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, ist der ostpreußische Anteil an festen
Straßen des preußischen Staates außerordentlich gering. Er beträgt nur
6,8 %, während die landwirtschaftliche Gesamtfläche der Provinz 10% der staatlichen
ausmacht. Es bedarf keiner weiteren Erläuterungen, wie sehr gerade die
Landwirtschaft durch den Mangel guter Kunststraßen in Absatz und Bezug gehemmt
wird. Das Fehlen von Pflasterstraßen ist besonders für den Teil der Provinz
mit schwerem Lehmboden von besonderem Nachteil. Wenn Betriebe dieser Gegend
keine gepflasterte Zufuhrstraße haben, so sind sie in der späten Jahreszeit fast
völlig vom Verkehr abgeschnitten. Der Unterausschuß für Landwirtschaft hat
während seiner ostpreußischen Besichtigungsreise wiederholt selbst Gelegenheit
gehabt, sich von dem geradezu trostlosen Zustande der ostpreußischen Landwege
im Spätherbst überzeugen zu können. Der Mangel an festen Straßen, unter dem
Istpreußen seit jeher zu leiden gehabt hat, erklärt sich im wesentlichen aus der
verhältnismäßigen Leistungsschwäche der dünnbevölkerten Provinz. Ostpreußen
hat wenig Steine und muß das meiste aus frachtentfernten Reichsteilen heranführen.
Mit den teuren Steinen wurden vor dem Kriege nur schmale und leichte
Steinbahnen gebaut (vgl. Anlage I). Dieses leichte Straßennetz ist im Kriege
zum größten Teil völlig unbrauchbar geworden.
In der Zeit des Wiederaufbaues waren Baustoffe und Arbeitskräfte knapp in
der Provinz. So kam es, daß der größte Teil der für die Instandsetzung der
Straßen bereitgestellten Mittel der Inflation zum Opfer fielen. In der Inflationszeit
konnte nur wenig für die Verbesserung der Straßen aufgewendet werden. Somit
waren bei Abschluß dieser Periode die Kriegsschäden der ostpreußischen Straßen
noch keineswegs geheilt. Der weitere Ausbau der Straßen ist dadurch besonders
gehemmt worden, daß der auf Ostpreußen entfallende Anteil an der Reichskraftfahrzeugsteuer
nicht ausreicht, um die Aufwendungen für Bau und Unterhalt der
Straßen zu bestreiten.
Die Mittel, die Ostpreußen aus der Kraftfahrzeugsteuer zugeflossen sind,
werden durch. die stark erhöhten Unterhaltungskosten der Provinzialstraßen
(leichter Bau und zunehmender Kraftwagenverkehr) zum großen Teil aufgezehrt,
so daß nur geringe Beträge übrigbleiben, um die Straßen mit neuzeitlich verstärkten
Decken, die den Angriffen der Kraftwagen genügen, zu versehen (vgl.
Anlage I). Die wirtschaftliche Entwicklung der Provinz ist durch diese ungenügende
Anpassung der Straßen an den modernen Verkehr gehemmt.
Das Eisenbahnnetz Ostpreußens zeigt im Vergleich zu anderen Provinzen
einen verhältnismäßig erheblichen Anteil schmalspuriger Kleinbahnen gegenüber
staatlichen Vollbahnen. Dies hat zur Folge, daß die Landwirtschaft erhöhte
Umladekosten zu tragen hat. Eine weitere Belastung erwächst der Landwirtschaft
Jadurch, daß die ländlichen Kommunalverbände als Aktionäre der Kleinbahngesellschaften
unmittelbar an dem Betrieb der Bahnen beteiligt sind. Da diese in der
Nachkriegszeit durchweg mit Verlust gearbeitet haben und aus diesem Grunde auch
Enquete-Ausschuß. II. Band 8.