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Wie aus der Tabelle hervorgeht, ist besonders der Erlös aus der pflanzlichen
Produktion in den letzten Jahren im Verhältnis zur Vorkriegszeit gesunken. Wenn
auch in den einzelnen Jahren seit 1924 ein ständiges Steigen der Werte zu ver-
zeichnen ist, so bleibt doch der Durchschnitt von 1924 bis 1927 noch erheblich
hinter der Vorkriegszeit zurück. Dazu haben einmal die wiederholten Mißernten
in Ostpreußen beigetragen. Weiter muß die stärkere Verfütterung wirtschafts-
eigener Erzeugnisse, bedingt durch den Fortfall der russischen Futtergerste und
die Erhöhung der Deputate, in Rechnung gestellt. werden.
Weitere Anhaltspunkte für die Einnahmesenkung gewinnt man aus der
nachstehenden, vom Statistischen Reichsamt auf Wunsch des Enquete- Ausschusses
angefertigten Übersicht über den Bruttowert der wichtigsten landwirtschaftlichen
Erzeugnisse Ostpreußens für die Wirtschaftsjahre 1924 bie 1927.
Bruttowert der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse Ostpreußens,
| Durchschn. 1924/27
___ 1924/25 __ 1925/26
Gesamt- |, h ı Gesamt- |.
wert in ARM’ wert in | je ha
1000 RM |AM 4000 RM | RM
_ 1926/27
ı Gesamt- | _
wert in | Je ha
1000 RM | 1nRM
Gesamt-| x
wert in ® a
1000 RM inRM
Pflanzliche Produktion
Tierische N
| 16 930 | 68,7 | 205 616 77,2 , 2837 254 ] 89,1. | 211 938 | 78,3
| 375568 | 141.0 | 426563 |160,1 | 412823 | 155,0 | 404983 152,0
In der Übersicht fehlen die Werte für Heu, Stroh, Obst und Gemüse. Um
Doppelzählungen auszuschalten, sind bei der Berechnung des Wertes der pflanz-
lichen Produktion die verfütterten Mengen sowie das Saatgut abgesetzt worden.
Dasselbe gilt bei der Errechnung des Milchwertes für die Kälbermilch,
Ein Vergleich dieser Angaben mit denen der Landwirtschaftskammer ist
nicht möglich, da die Landwirtschaftskammer nur die Verkaufsmengen bewertet
hat, während die Berechnung des Statistischen Reichsamts auch den Wert des
Eigenverbrauchs und des Naturallohns erfaßt. Wenn man berücksichtigt, daß der
Eigenverbrauch in Ostpreußen zwischen 15 und 30'% liegt (so beim Brotgetreide
etwa 30 %, bei Schlachtrindern etwa 15 % und bei Schweinen 30 %), so ist eine
befriedigende Übereinstimmung der beiden vorstehenden Zahlenreihen festzu-
stellen. Eine Ausnahme bildet die Wertangabe für die Viehproduktion im Jahre
1925/26, die nach der einen Tabelle eine Senkung, nach der anderen eine Steige-
rung gegen das Voriahr aufweist
3. Die Hauptzweige der ostpreußischen Landwirtschaft.
a) Ackerbau,
Die günstige Entwicklung, in der sich die ostpreußische Landwirtschaft vor
dem Kriege befand, ist durch den Krieg und die Inflation unterbrochen worden,
deren Nachwirkungen sowohl in einer Verschiebung der Anbauverhältnisse wie
besonders auch in einem. Rückgang der Ernteerträge zum Ausdruck kommen.
(S. die Übersichten auf S. 15.)
Die Getreideanbaufläche Ostpreußens ist also stärker zurückgegangen als die
des gesamten preußischen Staates. Dagegen haben die Viehweiden und Hutungen
eine wesentlich stärkere Zunahme ale im Staate erfahren.
Von Interesse ist auch die starke Zunahme der „sonstigen Hackfrüchte“ in
Ostpreußen, die vor allem auf den vergrößerten Anbau der Futterrübe zurück-
zuführen sein dürfte.