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Vor dem Kriege gehörten in Ostpreußen den Herdbuchgesellschaften etwa
700 Rinderherden mit einem Viehbestande von etwa 60 000 Tieren an. Heute sind
Jen grei großen Züchtervereinen für das schwarz-weiße Rind (der Ostpreußischen
Holländer Herdbuchgesellschaft, dem Herdbuchverein für das schwarz-weiße Tief-
landrind in Ostpreußen, der Westpreußischen Holländer Herdbuchgesellschaft) im
ganzen rund 1% des Rindviehbestandes der Provinz angeschlossen (Gesamtbestand
am 1.12. 1928 insgesamt 1,19 Mill. Stück Rindvieh).
Dazu kommen etwa 326 Kontrollvereine, denen etwa 135000 Kühe ange-
schlossen. sind, d. s. etwa 25 % aller Kühe der Provinz. .
Eine besonders günstige Wirkung haben die Futterberatungsstellen auf-
zuweisen, die mit den Kontrollvereinen Hand in Hand arbeiten. Die Kontroll-
vereinsergebnisse werden auch in züchterischer Hinsicht systematisch bearbeitet
and der Zuchtwahl dienstbar gemacht. Infolge dieser Zuchtwahl und der
rationelleren Fütterung sind die Milcherträge in Ostpreußen in der Nach-
kriegszeit außerordentlich gestiegen. Im Kontrolljahr 1927/28 beträgt nach An-
gaben der Landwirtschaftskammer Königsberg der Durchschnitt für etwa 135 000
zontrollierte Kühe etwa 3800 kg Milch mit 3,30 % Fett — 125kg Fett je Kuh
and Jahr gegen etwa 3000 kg Milch mit 3,14 % Fett — 94 kg Milchfett vor dem
Kriege. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der kontrollierten Kühe jetzt
ungefähr fünfmal so groß ist wie vor dem Kriege, daß also sehr viele Bestände
ın dem heutigen Durchschnitt mit enthalten sind, die in der Vorkriegszeit zweifel-
los noch niedrigere Erträge gebracht haben.
Die umfassenden Zucht- und Kontrollorganisationen erfordern jedoch hohe
Unkosten, denen zur Zeit keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen. Wenn
die ungünstige Wirtschaftslage auf dem Gebiete der Rindviehzucht weiter bestehen
»leibt, so ist nach Ansicht der maßgebenden Stellen nicht daran zu zweifeln, daß
Jiese Organisationen in ihrem heutigen Umfange nicht aufrechtzuerhalten sind.
Für das Jahr 1927 hat der Unterausschuß für Landwirtschaft eine Erhebung
äber die Verhältnisse des deutschen Molkereiwesens unternommen, von der nahezu
sämtliche deutschen Molkereien erfaßt worden sind!). Durch diese Erhebung sind
in Ostpreußen insgesamt 748 Molkereien ermittelt worden, die sich in
folgender Weise verteilen:
Regierungsbezirk
Genossen-
schafts-
molkereien
Allenstein. . .. .
Gumbinnen . . 0.0...
Königsberg . ..
Westpreußen
5)
35
19
Provinz Ostpreußen | 91
Privat-
molkereien
90
201
174
107
579
Guts-
molkereien
S
16
61
8
Gesamtzahl
116
236
270
126
Z7AR
Die gesamte Milchanlieferung dieser 748 Molkereien betrug 482 Mill. Liter,
wobei der angelieferte Rahm entsprechend seinem Fettgehalt in Milch umgerechnet
worden ist. Diese Milchmenge wurde in folgender Weise verwertet:
Als Frischmilch verkauft . . 2. ....0... 57,9 Mill Ltr. = 12,0 %
Verbuttert (= 14,3 Mill. Pfd., Butter) . ... -. . 2003 „ » = 41,5%
Zur Rahmherstellung (Frischverbrauch) verwendet . 12,9 „ 2» = 27%
Verkäst (35,4 Mill. Pfd. Käse u. 2 Mill. Pfd. Molkenbutter) 208,0 „ „ = 43,2%
In sonstiger Weise verwendet (Dauermilch usw.) - I8 80 = 06%
ı) Die Ergebnisse dieser Erhebung werden in einem besonderen Bande veröffentlicht werden.