24
Durch die Molkereierhebung ist die Milchleistung von 236000 Kühen oder
rund 44%. des gesamten. Kuhbestandes der Provinz ermittelt worden. Sie beträgt
nach den Angaben der Molkereileiter durchschnittlich 2800 Liter im Jahre. Außer-
dem liegen über die Höhe der Milchleistung neben den Feststellungen der
Milchkontrollvereine noch die Schätzungen der Landwirtschaftskammer vor. Die
Milchleistung der den Milchkontrollvereinen angeschlossenen Milchkühe geht
mit rund 3800 Litern natürlich weit über den allgemeinen Durchschnitt hinaus.
Die Landwirtschaftskammer schätzt für ganz Ostpreußen die Durchschnittsleistung
auf 2500 Liter je Kuh. Da den Molkereien 304 000 Milchkühe =— 56% des ge-
samten Kuhbestandes der Provinz nicht angeschlossen sind und da in dieser Zahl
auch alle Kühe der kleinsten Betriebe, der Landarbeiter usw. enthalten sind, deren
Milchleistung erheblich unter dem Durchschnitt liegen dürfte, so wird die Schätzung
der Landwirtschaftskammer dem großen Durchschnitt der Provinz ungefähr
entsprechen. Somit dürfte die gesamte Milcherzeugung Ostpreußens auf etwa
1350 Mill. Liter zu schätzen sein. Legt man für die Berechnung des Wertes der
gesamten in Ostpreußen gewonnenen Milch den nach den Ergebnissen der Molkerei-
arhebung an die Landwirte gezahlten Durchschnittspreis von 13,65 Pf. je Liter‘
zugrunde, so ergibt sich ein Gesamtwert der Milcherzeugung Ostpreußens von
184 Mill. RM. Dieser Betrag dürfte eher zu hoch als zu niedrig sein, weil zwar
eine Anzahl von Betrieben in der Umgebung der Städte bei direkter Frischmilch-
lieferung höhere Preise erzielen, dagegen aber die große Masse der abgelegenen
Betriebe, die auch keine günstigen Verwertungsmöglichkeiten durch Molkereien
vesitzen, einen erheblich geringeren Ertrag aus ihrer. Milcherzeugung erzielen
werden, als dem Durchschnitt der Molkereien entspricht.
Eine genaue Ermittlung der beträchtlichen Ausfuhr Ostpreußens an
milchwirtschaftlichen Erzeugnissen ist nicht möglich. Die Landwirtschaftskammer
rechnet auf Grund einer kurz nach dem Kriege durchgeführten Erhebung mit einem
durchschnittlichen jährlichen Versand von 63 000 dz Butter und 200000 dz Käse.
Um den Absatz zu erweitern und konkurrenzfähiger zu werden, hat Ost-
preußen eine Markenbutter herausgebracht, die, unter strengster Kontrolle her-
gestellt, gleichmäßig gute Qualität verbürgt. Dasselbe gilt für Käse.
Was den inneren Absatzmarkt anbelangt, so erwächst hier dem ost-
preußischen Landwirt aus den schlechten Verkehreverhältnissen eine starke Be-
nachteiligung. Diese, zusammen mit der geringen Anzahl von Städten in Ost-
preußen, gestattet dem Landwirt nur einen sehr geringen Frischmilchabsatz und
zwingt ihn in der Regel zu der weniger lohnenden molkereimäßigen Verwendung
seiner Milch. Eine Besserung dieses Zustandes wäre besonders erwünscht, denn
die Milcheinnahmen gewinnen ständig an Bedeutung für die ostpreußischen Be-
triebe. Wie groß diese Bedeutung schon heute ist, erhellt aus den Buchführungs-
ergebnissen*) für den Durchschnitt der Wirtschaftsjahre 1924 bis 1927, wonach die
Milcheinnahmen von den gesamten Einnahmen des Betriebes ausmachten.
bei Betrieben von 20— 50ha . . . 11,5 %
‘ „ 200—400 ha . , . 221%
über 400 ha . 15,5 %.
35
Schweinezucht.
Sowohl für Ostpreußen als auch für Preußen war 1927 das erste Nach-
kriegsjahr, in dem der Schweinebestand der Vorkriegszeit überschritten wurde.
1) Vgl. „Landwirtschaftliche Buchführungsergebnisse“, Verhandlungen und Berichte des
Unterausschusses für Landwirtschaft, Bd. 4.