Full text: Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen

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Durch die Molkereierhebung ist die Milchleistung von 236000 Kühen oder 
rund 44%. des gesamten. Kuhbestandes der Provinz ermittelt worden. Sie beträgt 
nach den Angaben der Molkereileiter durchschnittlich 2800 Liter im Jahre. Außer- 
dem liegen über die Höhe der Milchleistung neben den Feststellungen der 
Milchkontrollvereine noch die Schätzungen der Landwirtschaftskammer vor. Die 
Milchleistung der den Milchkontrollvereinen angeschlossenen Milchkühe geht 
mit rund 3800 Litern natürlich weit über den allgemeinen Durchschnitt hinaus. 
Die Landwirtschaftskammer schätzt für ganz Ostpreußen die Durchschnittsleistung 
auf 2500 Liter je Kuh. Da den Molkereien 304 000 Milchkühe =— 56% des ge- 
samten Kuhbestandes der Provinz nicht angeschlossen sind und da in dieser Zahl 
auch alle Kühe der kleinsten Betriebe, der Landarbeiter usw. enthalten sind, deren 
Milchleistung erheblich unter dem Durchschnitt liegen dürfte, so wird die Schätzung 
der Landwirtschaftskammer dem großen Durchschnitt der Provinz ungefähr 
entsprechen. Somit dürfte die gesamte Milcherzeugung Ostpreußens auf etwa 
1350 Mill. Liter zu schätzen sein. Legt man für die Berechnung des Wertes der 
gesamten in Ostpreußen gewonnenen Milch den nach den Ergebnissen der Molkerei- 
arhebung an die Landwirte gezahlten Durchschnittspreis von 13,65 Pf. je Liter‘ 
zugrunde, so ergibt sich ein Gesamtwert der Milcherzeugung Ostpreußens von 
184 Mill. RM. Dieser Betrag dürfte eher zu hoch als zu niedrig sein, weil zwar 
eine Anzahl von Betrieben in der Umgebung der Städte bei direkter Frischmilch- 
lieferung höhere Preise erzielen, dagegen aber die große Masse der abgelegenen 
Betriebe, die auch keine günstigen Verwertungsmöglichkeiten durch Molkereien 
vesitzen, einen erheblich geringeren Ertrag aus ihrer. Milcherzeugung erzielen 
werden, als dem Durchschnitt der Molkereien entspricht. 
Eine genaue Ermittlung der beträchtlichen Ausfuhr Ostpreußens an 
milchwirtschaftlichen Erzeugnissen ist nicht möglich. Die Landwirtschaftskammer 
rechnet auf Grund einer kurz nach dem Kriege durchgeführten Erhebung mit einem 
durchschnittlichen jährlichen Versand von 63 000 dz Butter und 200000 dz Käse. 
Um den Absatz zu erweitern und konkurrenzfähiger zu werden, hat Ost- 
preußen eine Markenbutter herausgebracht, die, unter strengster Kontrolle her- 
gestellt, gleichmäßig gute Qualität verbürgt. Dasselbe gilt für Käse. 
Was den inneren Absatzmarkt anbelangt, so erwächst hier dem ost- 
preußischen Landwirt aus den schlechten Verkehreverhältnissen eine starke Be- 
nachteiligung. Diese, zusammen mit der geringen Anzahl von Städten in Ost- 
preußen, gestattet dem Landwirt nur einen sehr geringen Frischmilchabsatz und 
zwingt ihn in der Regel zu der weniger lohnenden molkereimäßigen Verwendung 
seiner Milch. Eine Besserung dieses Zustandes wäre besonders erwünscht, denn 
die Milcheinnahmen gewinnen ständig an Bedeutung für die ostpreußischen Be- 
triebe. Wie groß diese Bedeutung schon heute ist, erhellt aus den Buchführungs- 
ergebnissen*) für den Durchschnitt der Wirtschaftsjahre 1924 bis 1927, wonach die 
Milcheinnahmen von den gesamten Einnahmen des Betriebes ausmachten. 
bei Betrieben von 20— 50ha . . . 11,5 % 
‘ „ 200—400 ha . , . 221% 
über 400 ha . 15,5 %. 
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Schweinezucht. 
Sowohl für Ostpreußen als auch für Preußen war 1927 das erste Nach- 
kriegsjahr, in dem der Schweinebestand der Vorkriegszeit überschritten wurde. 
1) Vgl. „Landwirtschaftliche Buchführungsergebnisse“, Verhandlungen und Berichte des 
Unterausschusses für Landwirtschaft, Bd. 4.
	        
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