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Die sonstigen Schulden und Lasten betrugen nach der gleichen
Quelle am gleichen Tage 174 Mill. RM. Von dieser Personalverschuldung wird,
wenn man die Angaben der Preußenkasse auf S.81 ihrer Drucksache Nr;2 zu-
zrunde legt, der größere Teil auf unorganisierte und nur der kleinere Teil auf
organisierte Personalkreditgeber entfallen.
Während es gelungen ist, den Zinssatz für erststellige Realkredite in
Ostpreußen tief zu halten, ist dies bei den Personalkrediten nicht möglich gewesen.
Nach Feststellungen des Unterausschusses für Landwirtschaft betrug der durch-
schnittliche Zinssatz für Wechselschulden in Ostpreußen im Wirtschaftsjahre
1924/25_18,5 % und im Wirtschaltsjahre 1925/26 13,5 %; für die übrigen Kredite
waren die Sätze entsprechend höher. Bei allen Krediten überstiegen die Zinssätze
in Ostpreußen die im übrigen Reichsgebiet geltenden Sätze um durchschnittlich
2%, Nach den Ermittlungen des Landesfinanzamts Königsberg betrug im Jahre
1927 der durchschnittliche Zinssatz für Personalkredite 10 bis 12 %; er dürfte
aber seitdem wieder gestiegen sein und heute auf etwa 12 bis 14 % stehen. Dabei
ist zu bedenken, daß die Kreditinstitute bei nicht einwandfreier Bonität des
Schuldners zur Abgeltung des Risikos diese Sätze noch durch erhebliche Zuschläge
erhöhen.
Die Gesamtverschuldung der ostpreußischen Landwirtschaft am
1.1.27 stellte sich also auf 702 Mill. RM. — 316 RM. je Hektar vermögensteuer-
pflichtiger Fläche. Demgegenüber beträgt der durchschnittliche Steuereinheits-
wert je Hektar 533 RM., so daß die durchschnittliche Verschuldung 59,3 % des
Einheitswertes von 1925 ausmachen würde. Nach den Zusammenstellungen des
Landesfinanzamts auf Grund der Grunderwerbssteuerlisten wurden 1927 für 1ha
im Durchschnitt 1056 RM. bezahlt. Demnach würde die durchschnittliche Gesamt-
verschuldung je Hektar rund 30 % des damaligen Verkehrswertes erreichen.
Über die Zunahme der Schulden im Jahre 1927 gibt eine zweite auf den
1.1. 28 abgestellte Erhebung des Landesfinanzamts Auskunft. Nach den in An-
lage VII mitgeteilten Ergebnissen dieser Erhebung ist die Hektarverschuldung von
316 RM. auf 386 RM., also um 22% angewachsen. Legt man wieder den Einheits-
wert von 1925 zugrunde, so hätte die durchschnittliche Gesamtverschuldung rund
72% dieses Wertes erreicht. Die Güterpreise in Ostpreußen waren nach Angaben
jes Landesfinanzamts im Jahre 1928 auf durchschnittlich 914 RM. je Hektar
gesunken, so daß die durchschnittliche Hektarverschuldung auf 422% des Ver-
kehrswertes gestiegen sein würde. ;
Ähnliche Ergebnisse liefert die Erhebung der Preußischen Zentralgenossen-
schaftskasse (Drucksache Nr. 2). Die Untersuchung von 1665 Eigenbetrieben über
L00 ha aus allen Teilen der Provinz hat nach dem Stande vom 31. 12. 27 eine durch-
schnittliche Hektarverschuldung von 472,7 RM. ergeben, das sind rund 51,4 %
jeg oben erwähnten Verkehrswertes. Der Zinsendienst stellt sich nach Ermittlung
der Preußenkasse auf durchschnittlich 42,5 RM. je‘ Hektar oder gleich 9% des
Schuldkapitals. ;
Die Gesamtverschuldung der ostpreußischen Landwirtschaft am 1.1.28
detrug nach den in Anlage VII mitgeteilten. Ergebnissen der .in sämtlichen
39 ostpreußischen Finanzamtsbezirken durchgeführten Erhebung des Landes-
finanzamts 884 Mill. RM. Da: im Wirtschaftsjahr 1927/28 sich die Verhältnisse
aurchschnittlich nicht‘ gebessert haben, dürfte man die Gesamtverschuldung der
ostpreußischen Landwirtschaft am 1.1.29 mit etwa einer Milliarde Reichsmärk
ansetzen können. ;
Die nachstehende Übersicht, die auf den Vermögensteuerakten der Finanz-
&mter beruht, gibt ein Bild der Verschuldungsverhältnisse nach Betriebsgrößen-