Full text: Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen

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ainmal */, des jährlichen Kapitalbedarfes ausmacht, während nach allgemeiner 
Auffassung größere Meliorationen (umfangreiche Vorflutbeschaffungen, Fluß- 
regulierungen u. a.) mit Beihilfen von 30—50% der Kosten unterstützt werden 
müssen, um sie auf eine für die Beteiligten tragbare Grundlage zu stellen. 
Der erhöhte Bedarf an Krediten und Zuschüssen für Meliorationen macht es 
notwendig, daß über den Kreis der Landwirtschaft hinaus die gesamte Bevölkerung 
zu der Erkenntnis gebracht wird, daß die Forderung nach schleuniger und nach- 
Jrücklicher Förderung des Meliorationswesens durch die öffentliche Hand nicht auf 
agrarischen Sonderinteressen, sondern auf dem Wunsche beruht, das gesamte 
jeutsche Volk vor den Gefahren zu bewahren, die sich aus dem weiteren Niedergang 
der Landwirtschaft Ostpreußens und der Gesamtwirtechaft der Provinz ergeben 
müssen. 
b) Pflanzen- und Tierzüchtung, Schädlings- und Seuchenbekämpfung. 
Auf dem Gebiete der Pflanzen- und Tierzüchtung sowie der Seuchen- 
bekämpfung ist von der ostpreußischen Landwirtschaft im Wege der Selbsthilfe 
Bedeutendes geleistet worden. Eine Aufzählung alles bisher Geleisteten würde zu 
weit führen. Hinsichtlich der Pflanzenzucht soll nur hingewiesen werden: 
}. auf das erfolgreiche Bemühen der Landwirtschaftskammer zur Schaffung eines 
für Ostpreußen geeigneten frostharten Saatgutes, 2. auf die Tätigkeit der Mit- 
scherlich-Gesellschaft, welche die Untersuchung des Düngerbedürfnisses der ver- 
schiedenen ostpreußischen Böden sich zum Ziel gesetzt hat. 
Auf dem Gebiete der Tierzucht haben besonders die Züchtervereinigungen 
und Kontrollvereine, die in Ostpreußen zahlreicher als in allen anderen Gebieten 
les Deutschen Reiches sind, in starkem Maße zur Verbesserung der Rindvieh- und 
Schweinezucht beigetragen. Besonders muß auf die Futterberatungs- 
stellen hingewiesen werden, die die Erfahrungen der Wissenschaft und Praxis 
allen den Kontrollvereinen angeschlossenen Betrieben zugänglich machen. Die 
Kontrollvereinsresultate werden auch in züchterischer Hinsicht systematisch be- 
arbeitet und in den Dienst der Zuchtwahl gestellt. 
Auch der in besonders schwieriger Lage befindlichen .ostpreußischen Pferde- 
zucht, namentlich der Warmblutzucht, hat die Provinz aus eigenen Kräften nach 
Möglichkeit durch Leistungsprüfungen, durch Prämierung von Stuten und Stut- 
'ohlen, durch Unterstützung der ländlichen Reitervereine usw. zu helfen gesucht. 
In diesem Zusammenhang soll noch einmal auf die besondere Gefährdung des 
astpreußischen Edelzuchtgebietes hingewiesen werden. Hierbei bedarf die Frage, 
ob die bisherige Körordnung, welche die Aufstellung von Kaltbluthengsten für 
jieses Gebiet verbietet, aufrechterhalten werden soll, ernstester Erwägung. 
Auf dem Gebiete der Seuchenbekämpfung soll nur auf die erfolg-. 
reiche Tuberkulosebekämpfung beim Rindvieh hingewiesen werden, die allerdings 
hohe finanzielle Leistungen der einzelnen Versicherten erfordert. Ein weiterer 
Ausbau der Selbsthilfe erscheint hier kaum möglich, denn schon jetzt sind die 
Ausgaben, die der ostpreußischen Landwirtschaft aus der Senuchenbekämpfimg er- 
vachsen, außerordentlich hoch. 
Endlich muß auch die Bedeutung von Lehreund Unterricht als wert- 
volle Selbsthilfemaßnahme hervorgehoben werden. Hier hat die ostpreußische 
Landwirtschaftskammer durch Ausbildung von Wirtschaftsberatern, durch För- 
derung der Betriebsforschung, durch Schaffung von bäuerlichen Beispielswirt- 
schaften, durch Ausbildung von Wandermelklehrern usw, bereits Hervorragendes 
releistet.
	        
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