fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

106 Otto Keinath: 
Es kommt jedoch auch vor, daß manche „speziellen Exporteure" 
ihren Wohnsitz von dem Hafenplatze nach dem Binnenlande verlegen 
und ihr Haus in Paris oder Berlin, Köln und Wien als Sammelplatz für 
den Export der verschiedensten Waren begründen, wenngleich dieser 
Sammelexport sich auch auf eine gewisse Spezialgruppe 
von Waren beschränken kann, die an sich wieder außerordentlich 
vielseitig ist, wie z. B. Modeartikel, Herrenbedarfsartikel, technische 
Artikel, Haus- und Küchengeräte und dergleichen mehr. Die Begriffe 
„Branchen-Exporteure‘” und „Engros-Sortimenter‘” lassen oft keine 
ganz präzise Unterscheidung zu. 
Der Exporteur und noch mehr der Exportagent pflegt in immer 
weiterem Umfange direkten Verkehr mit dem Fabrikanten., Die Eigen- 
art der Exportagenten bildet häufig die ständige Ausstellung 
eines Musterlagers im privaten Ausstellungsraum, wodurch sich 
der ausländische Abnehmer in bequemster Weise über das zu bestel- 
lende Sortiment oder die gewünschten Artikel Aufschluß an Hand von 
Mustern verschaffen kann. 
Neben dem Eigenhandel finden wir sehr häufig die Ge- 
schäftsform des Kommissionshandels, d. h. der Exporteur 
kauft gegen Auftrag des Überseekäufers die gewünschte Ware ein und 
exportiert sie nach Katalog oder nach vorher übersandten Mustern an 
den ausländischen Abnehmer (Export-Kommissionäre), Immerhin ist zu 
beobachten, daß — bereits in der Vorkriegszeit — die meisten 
Kaufleute vom Kommissionsgeschäft zum Eigengeschäft übergegangen 
sind, da die Kommissionsraten immer mehr gesunken sind und den für 
den Fortbestand des Geschäfts unbedingt erforderlichen Nutzen nicht 
mehr zuließen. 
Wir haben bereits vorhin in kurzen Umrissen gesehen, daß die 
Zwischenschaltung des Handels sowohl beim Import als auch Export 
mehr oder weniger notwendig wird, je nach den Warenarten, um welche 
es sich handelt. In den letzten Jahren hat sich herausgstellt, daß 
offensichtlich die Erzeugnisse der Groß- und Schwer- 
industrie: Automobile, elektrische Anlagen, Bergwerksanlagen, 
Bau von Eisen- und Untergrundbahnen, Eisenbahnwaggons und Loko- 
motiven, Anilinwaren und Rohfilme, Eisenbahnschienen, Walzwerks- 
produkte — inderRegelnichtmehrvom Exporthandel, 
sondern von der Industrie selbst im Ausland abgesetzt wer- 
den. Die mittlere und kleine Industrie dagegen pflegt sich in der Mehr- 
zahl der Fälle noch des Exportkaufmanns zu bedienen, da die 
Gründung von Filialen im Ausland oder die Unterhaltung 
ständiger Vertreter für diese zu kostspielig wird und im 
Verhältnis zu der Absatzfähigkeit der Artikel nicht lohnt, oder weil
	        
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