Erhebung über die Produktion 3
die erklären, Angaben über die tieferen Veränderungen nicht
machen zu können, weisen auf die vermehrten Fälle von Neur-
asthenie und auf die geringere Widerstandskraft gegen KErkran-
kungen hin. Die Angaben der Organisationen werden für einige
Länder durch amtliche Statistiken belegt.
Aus allen Unterlagen ergibt sich jedoch eine besondere
Evolution der Krise der öffentlichen Gesundheit; je weiter man
sich vom Kriege entfernt, um so mehr geht sie zurück oder ver-
schwindet in einzelnen Fällen wieder ganz. Eine Betrachtung
der einzelnen Gruppen ergibt, daß die kriegführenden Länder
Mittel- und Osteuropas einerseits und die nichteuropäischen
Länder andererseits in gewissem Sinne entgegengesetzte Pole
darstellen. Bei den Ersteren war der Gesundheitszustand außer-
ordentlich gefährdet, und er ist es auch noch um die Zeit, als die
Erhebung erfolgte, während er bei der letztgenannten Gruppe
durchaus normal ist, „genau so zufriedenstellend wie zu irgend
einer früheren Zeit“‘‘, wie z. B. aus den Vereinigten Staaten berichtet
wird. Zwischen diesen beiden Gruppen stehen die kriegführenden
Länder Westeuropas und die neutralen europäischen Länder,
in denen sich die Verhältnisse auf diesem Gebiete nach den vor-
liegenden Mitteilungen kaum geändert haben.
6. Die seelische und sittliche Krise
Die Untersuchung ging von den Bevölkerungsfragen über
zu den Problemen der Berufsausbildung, von diesen zu den Fragen
der Ernährung, der Unterbringung, der Löhne, des Gesundheits-
standes, um dann auf ein anderes Gebiet überzugreifen, das
überraschend erscheinen mag, aber doch von Bedeutung ist.
Es bei der Erklärung der Tatsachen zu übersehen, würde jeden-
falls eine große Lücke gelassen haben, nämlich das Gebiet der
seelischen und -sittlichen Folgen des Krieges, und zwar besonders
innerhalb der Arbeiterschaft. Zu diesem Punkte wurden in den
verschiedenen Ländern nicht nur die Angaben der Wissenschafter,
der Psychologen und der Soziologen gesammelt, sondern auch
der Staatsmänner, der Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeiter
und der Genossenschaftsverbände. Das so zusammengetragene
Material ergibt die Elemente einer allgemeinen Übersicht der
Arbeiterpsychologie, in gewissem Maße auch der Arbeitgeber-
psychologie, nach dem Kriege.
Das Ergebnis dieser umfangreichen Forschungen läßt sich
an dieser Stelle nicht kurz zusammenfassen, weil dabei die zur
Beurteilung wesentlichen Einzelheiten, Vorbehalte und Feinheiten
der Darstellung verloren gehen würden. Es sei jedoch betont,
daß man in allen Ländern fast einstimmig eine sittliche Erschütte-
rung als Nachwirkung des Krieges festgestellt hat, von der die
verschiedensten Schichten der Gesellschaft betroffen wurden,
und deren Ausstrahlungen auch auf das wirtschaftliche Leben,
ganz besonders in Bezug auf die Produktion, fühlbar geworden
sind.
Diese Art der Krise hat jedoch keineswegs in den einzelnen
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